"Hundeterror"
Moskaus Bürger von Straßenhunden verunsichert
Tierärzte stellen immer häufiger Tollwut fest. Moskaus Bürger beklagen, dass die Behörden trotz tausender Beschwerden tatenlos zusehen. Viele fordern die Stadtverwaltung auf, sich an Maßnahmen anderer Länder wie Hundesteuer, Kampfhundeverordnung und Tierheimen ein Beispiel zu nehmen.
Hunderudel bedrohen die Einwohner
Im Moskauer Stadtteil Jugo-Sapadnaja belagern die Tiere die Häuser. „Oft sind bis zu zehn Hunde in einem Rudel, sie lauern knurrend an Hauseingängen, so dass man sich nicht mehr nach Hause traut - sie terrorisieren uns“, sagt die 19-jährige Anna Dubowa. Jeden Tag werden in der Stadt mit geschätzten 30.000 ausgesetzten Hunden Dutzende Menschen gebissen, wie die Tageszeitung „Nowyje Iswestija“ berichtet. Die ausgemergelten Tiere suchen in den Müllsäcken der Moskauer Wohnviertel nach Essensresten.
Konsumentenschützer Dmitri Janin kritisiert, dass es den Tierhaltern in Russland zu leicht gemacht werde. Die Verantwortung sei auf ein Minimum reduziert. Es sei leicht, niedliche Welpen auf der Straße zu kaufen und - wenn sie groß sind - einfach auszusetzen. So macht sich der Mangel an Gesetzen zur Kontrolle des Bestandes in allen russischen Großstädten bemerkbar. Nahe Nischni Nowgorod an der Wolga etwa bissen Hunde im November eine 21-Jährige zu Tode. In Moskau verblutete eine Achtjährige 2006 nach einer Kampfhundeattacke.
Chinarestaurant schlachtet Straßenhunde
Doch auch in Russland ist die Lobby der Tierschützer stark. Sie geben den Haltern, die ihre Hunde achtlos aussetzen, die Schuld an der unkontrollierten Vermehrung. Als im August Dutzende Hunde in Moskau verschwanden, erstatteten sie aus Sorge Anzeige. Wie sich herausstellte, hatte eine Chinarestaurant-Kette die meist kranken Tiere geschlachtet und Gästen als Lammfleisch vorgesetzt. „Chinesische Köche schlachteten Hunde im Restaurant und bereiteten das Fleisch wie eine Delikatesse zu“, sagt der Sprecher der Lebensmittelkontrolle, Philipp Solotnizki.
Die Stadt Moskau räumt ein, der Lage nicht Herr zu werden. „Wir erhalten täglich zu viele Anfragen und entfernen die Tiere nur auf dem Gelände von Kindergärten und dort, wo sie Eingänge verstellen“, sagt Michail Kuskow von der zuständigen Behörde. Der Zoologe Andrej Neuronow meint, dass die Situation außer Kontrolle geraten sei. „Hunderte Hunde leben inzwischen schon im unterirdischen Netz der Metro“, zitiert das Boulevardblatt „Komsomolskaja Prawda“ Neuronow.
Das Problem mit Moskaus „Hundeterror“ hat sich verschärft, seit Bürgermeister Juri Luschkow vor fünf Jahren das Abschießen aus Tierschutzgründen verbot. Nur besonders aggressive und kranke Tiere werden von Experten eingefangen. Nach ihrer Sterilisierung würden die gesunden Vierbeiner aber wieder ausgesetzt. Nur Hunde, die in der Nähe von Schulen, Spielplätzen und Krankenhäusern leben, würden in Tierheime gebracht. In einem ersten Schritt will Moskaus Stadtverwaltung im kommenden Jahr 15 neue Heime bauen - mit tierärztlichen Behandlungszimmern.
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