Von Fahrten bei Nacht, wilden Verfolgungsjagden durch die nahezu frei erkundbare Stadt und den Unterstützung leistenden Crewmitgliedern hat man sich in "Need For Speed ProStreet" verabschiedet. Dem Grundprinzip ist man jedoch treu geblieben: Als Anfänger im Rennzirkus gilt es den König der Straßenrennen vom Thron zu stoßen.
Der Weg dorthin führt über vier Showdowns gegen andere Asse ihrer Zunft, die wiederum nur absolviert werden können, wenn zuvor diverse Renn-Events gemeistert wurden. Diese, um die Verwirrung komplett zu machen, gliedern sich in mehrere Herausforderungen, bei denen der Fahrer auf das Siegertreppchen fahren muss, um das Event zu dominieren.
Sein Können muss der Spieler diesmal in verschiedenen Rennarten unter Beweis stellen: Grip, Drag, Drift, Shootout, Time und Speed Challenge nennen sich die Disziplin, bei denen es aber letzten Endes doch nur darum geht, als erster oder schnellster über die Ziellinie zu brettern. Etwas modifiziert kommt das bereits aus Vorgängern bekannte Drag-Rennen daher: In einem Minispiel müssen hier vor Rennbeginn die Reifen auf Temperatur gebracht werden.
Am Ende eines erfolgreich absolvierten Renn-Events winken dem Spieler als Belohung diverse Einkaufsgutscheine bzw. Bargeld, um den eigenen Boliden sowohl optisch als auch leistungstechnisch auf Vordermann zu bringen. Wer das nötige Kleingeld hat, aber nicht genügend Zeit, um sich durch die komplexen Tuningmöglichkeiten zu klicken, kann nun auch Schnelltuning-Sets kaufen, um auf einen Schlag gleich ganze Sätze an Teilen auszutauschen.
Neu ist auch, dass die vorgenommenen Änderungen unmittelbar im Anschluss an das Tuning in Echtzeit im Windkanal auf ihre Aerodynamik hin untersucht werden können. Spoiler und Co. bekommen so den letzten Feinschliff verpasst. In den Bereich des Tunings fällt schließlich auch die Blaupausen-Funktion hinein: Jede Rennvariante verlangt neuerdings ein eigens auf die Disziplin zugeschnittenes Auto. Statt sich wie bislang jedoch einen immensen Fuhrpark zuzulegen, können nun für jedes Auto drei unterschiedliche Konfigurationen angelegt werden. Ein einziges Auto eignet sich je nach Blaupause somit sowohl für Drag- und Drift- als auch etwa Grip-Rennen.
Last but not least hat "Need For Speed ProStreet" nun auch ein Schadensmodell spendiert bekommen. Wer Konkurrenten und/oder Bande touchiert, muss nun nicht mehr nur mit optischen Veränderungen an der Karosserie, sondern mit Auswirkungen auf das Fahrverhalten bis hin zum Totalschaden rechnen. Vor jedem Rennen sollte der Rennschlitten daher unbedingt einer kostenpflichtigen Rundumerneuerung unterzogen werden.
Optisch hat sich im Vergleich zum Vorgänger recht wenig getan. Die Karosserien funkeln noch immer prächtig und spiegeln die vorbeirauschenden Bäume oder Publikumstribünen wider, gerade die Rennstrecken selbst wirken jedoch etwas leblos und kahl. Das fällt umso mehr ins Gewicht, da man während eines Rennevents immer wieder mit derselben Umgebung konfrontiert wird. Dicker Motoren-Sound und groovende Musik lassen hingegen gewohnte "Need For Speed"-Atmosphäre aufkommen. Lediglich der allzu oft sinnfreies Zeug plappernde Rennkommentator beginnt schnell zu nerven.
Fazit: Jedes Jahr dem verwöhnten Spieler etwas neues zu bieten, ist bestimmt nicht leicht. EA wagt den Rundumschlag und präsentiert mit "ProStreet" ein in vielerlei Hinsicht neues und verbessertes "Need For Speed". Schadensmodell, Blaupausen oder Windkanal erweisen sich als praktische und nützliche Neuerungen. Tuningfreaks kommen hingegen beim Schrauben an den unzähligen Fahrzeugmodellen auf ihre Kosten. Vermisst wird bei "ProStreet" aber das für die Serie bis dato so typische Anarcho-Feeling. Statt wilder Verfolgungsjagden durch eine frei erkundbare Landschaft geht es nun recht gesittet über die abgesteckten Kurse, denen es noch dazu an Details mangelt.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PC, PS3, PS2, PSP, Wii, DS
Publisher: Electronic Arts
Krone.at-Wertung: 78%
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