Jahrhundert-Mure

Gebete gegen Hangrutsch-Hölle

Oberösterreich
07.12.2007 17:22
Hilfe von oben erbaten die Bewohner des Gmundner Gschliefgrabens, damit der Horror in der Hangrutsch-Hölle endlich ein Ende hat: Donnerstag Abend trafen sich die Betroffenen zum Gebet in der Kapuzinerkirche. Inzwischen ändern sich täglich die Prognosen, und das Wetter will einfach nicht besser werden.

„Das Problem ist das Wasser. Wir versuchen weiter, möglichst viel abzuleiten“, sagt der Gmundner Stadt-Sprecher Wolfgang Ebner. In 24 Stunden hatte sich die Rutschung an der Oberfläche 2,5 Meter weit bewegt, im Untergrund ist sie fast stehen geblieben. Eine Bohrung ist inzwischen bis 72 Meter Tiefe vorgestoßen. An der Oberfläche wird an 155 Stellen die Bewegung und Geschwindigkeit des Hangrutsches gemessen.

Die größte Angst haben die Bewohner der 55 evakuierten Häuser, dass plötzlich eine Mure an der Oberfläche abgeht. Denn so ein Ereignis ist meist nicht versichert. „Die Sturmschadenversicherung ist eine Elementarversicherung, die auch Hagel, Schneedruck, Erdrutsch und Steinschlag abdeckt, aber eben nicht einen Murenabgang“, erklärt Dr. Wolfgang Weidl, Generaldirektor der OÖ Versicherung. Ob ein „unterirdischer“ Erdrutsch oder eine „oberflächliche“ Mure einen Schaden verursacht, entscheiden Geologen. In der Zukunft wollen die Versicherer ein Produkt entwickeln, das alle Elementar-Schäden abdeckt.

Inzwischen bleibt die Lage im Gschliefgraben angespannt: Es ist weiter Regen angesagt, der die Erdmassen schwerer macht - damit ist die Rutschung kaum zu stoppen. Die Evakuierung bleibt aufrecht, auch die Sperre der Traunsteinstraße. Ob die Bewohner des Gschliefgrabens das Weihnachtsfest daheim feiern können, ist also noch lange nicht entschieden.

 

 

Foto: rubra

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