Linzer Fachärztin

"Höhere Strafen schreckt fast nicht ab"

Oberösterreich
26.11.2007 20:29
Den Eltern des zu Tode gequälten kleinen Luca aus Wien drohen zehn Jahre Haft. Jetzt wird - wie berichtet - die Verdopplung des Strafmaßes diskutiert. Auch wenn die Linzer Psychiatrie-Primaria Dr. Adelheid Kastner skeptisch ist, ob dies abschreckend wirkt, ist es ein Zeichen dafür, dass uns „Schutzbedürftige“ mehr am Herzen liegen.

Auch ob der Enns endeten Kindesmisshandlungen tödlich: Marcel aus Wels verhungerte im Alter von 20 Monaten, weil seine im Jahr 2001 erst 19-jährige Mama ihn während einer Zechtour vergessen hatte:

4 Jahre Haft, zwei davon saß sie ab. Für die Justiz ist der Fall abgeschlossen, weil sie nicht mehr rückfällig geworden ist. Wie auch der Fall von Markus aus Ried/R: Der acht Monate alte Bub verhungerte 1988 neben seinen 23 und 25 Jahre alten Eltern. Diese wurden zu lebenslanger, nach der Berufung zu acht Jahren Haft verurteilt. Nach sechs Jahren waren sie frei.

Nur die „Hungermutter“ aus Wolfern, die ihre Tochter Martina (17) sterben hatte lassen, gilt weiter als „geistig abnorm“.

„Solche Menschen quälen ihre Kinder nicht weniger, weil sie höhere Strafen fürchten müssen. Das machen Berufsverbrecher, die abwägen, ob sie für diese oder jene Beute ein Risiko eingehen“, glaubt Wagner-Jauregg-Primaria Adelheid Kastner. Aber für gute Eltern sei es nicht nachvollziehbar, warum „Rabeneltern“ so milde davonkommen. Abgesehen davon ist es bedenklich, dass ein Räuber 15 Jahre Haft fürchten muss, eine Mutter, die ihr Kind quält, nur zehn Jahre.




Foto: Jack Haijes

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