Postmortale Stiche

Mutter verdrängt Tochtermord

Oberösterreich
17.11.2007 19:42
Die Mutter weint, trauert und leugnet, ihre Tochter ermordet zu haben: „Als ich in der Früh aufgestanden bin, ist sie blutend dagelegen“, will die verhaftete 52-jährige Lenzingerin Terezia Portik weismachen, dass sich die Wiener Künstlerin Jolanda Lissak (29) selbst erstochen hätte. Mit 24 Stichen in die Brust und in den Rücken? Und einigen davon auch noch postmortal?

„Mordverdächtige verdrängen Horrorerlebnisse“, erinnert ein Linzer Ermittler an den Parallelfall der Mutter Romana Miny (42), die bis zum Schuldspruch im heurigen März verwirrt und verstört verleugnete, dass sie ihre Tochter Sandra (21) geköpft, verbrannt und in der Donau bei Sarmingstein versenkt hatte. 

Wie berichtet, wurde nun auch am Hauptplatz in Lenzing Freitag früh verzweifelt versucht, alle Spuren zu verwischen und einen Mord als Selbstmord zu tarnen. Die Wäscherei-Arbeiterin Terezia Portik (52), für die die Unschuldsvermutung gilt, hat seit ihrer Verhaftung keine Erklärung dafür, warum sie die bekleidete Leiche ihrer Tochter abgeduscht und den blutbespritzten Boden ihrer Wohnung aufgewischt hatte, ehe sie mit fast einstündiger Verspätung Hilfe holte: „Sie hat sich umgebracht.“

Mit je zwölf Stichen in der Brust wie im Rücken? „Das war kein Harakiri“, erkannten der Gerichtsmediziner und die Mordermittler sofort: Ein 37 Zentimeter langes Küchenmesser hatte Herz, Lunge und Aorta getroffen, einen blitzartigen Blutungsschock ausgelöst. Als die Frau zusammengebrochen war, ihre Lunge eingefallen und ihr Herz stillgestanden ist, drang die Stahlklinge noch mehrmals in den Rücken. 

Tiefe Wunden erlitt auch die Mutter, die aber nicht erklären kann oder will, warum ihr Handballen und Handrücken samt Sehnen so durchtrennt waren, dass sie genäht und eingegipst werden musste. Die Ermittler haben aber Erklärungen für die Verletzungen beider Frauen: Es dürfte zu Streitereien, Raufereien, Mord- und Selbstmorddrohungen gekommen sein, bei denen auch die Tochter das Messer in die Hände bekam – und der Mutter die Abwehrverletzungen zufügte.

Jolandas beste Freundin kann sich eher einen Selbstmord vorstellen als einen Mord der Mutter an der Tochter: „Ihre Mama war ja die Einzige, die ihr noch beigestanden ist“, weiß die erschütterte Wiener Künstlerin Lisa Lehner, dass ihre Kollegin psychiatrische Hilfe gebraucht hätte. Und dass sie ihren Selbstmord angekündigt hatte.




Foto: Markus Wenzel

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