Arzt schlägt Alarm

Beim Rauchen sind wir in Europa Schlusslicht

Oberösterreich
16.11.2007 12:33
„Ein Achterl Wein am Tag ist gesund, zwei Achterln sind es vermutlich auch noch, zwei Vierterln sind zu viel. Aber bei der Zigarette ist keine einzige gesund“, mahnt Dr. Herwig Schinko, Lungen-Primar am AKH Linz. Und er schlägt Alarm: „Wir sind in der Einstellung zum Rauchen das Schlusslicht Europas.“

„43 Krankheiten, die durchs Rauchen ausgelöst werden, sind bekannt“, erklärt Schinko. Er will nicht die Raucher verdammen, appelliert aber an die Gesellschaft, sich realistisch mit den Gefahren auseinander zu setzen.

Auf der Lungen-Abteilung landen täglich extreme Fälle wie Gerhard Wöss (58) aus Linz (siehe auch „Interview des Tages“). Er hat ein Lungenemphysem im Endstadium. „Ich muss froh sein, wenn ich 60 Jahre alt werde“, sagt der Pensionist. Er lebt in einem „Fessel-Dasein“ - hat einen 10-Meter-Schlauch, durch den er Sauerstoff bekommt. Will er weitere Strecken gehen, muss sein fahrbares Sauerstoff-Gerät dabei sein. Aber er schafft es nicht, ganz von Zigaretten loszukommen, sucht auch im ehemaligen Beruf als Tankwart und Reifenmonteur den Grund für sein Leiden: „Man glaubt ja, einem selbst kann nix passieren.“


„Bewundere jeden, der mit dem Rauchen aufhört“
Seitdem er etwa 14 Jahre alt war, raucht Gerhard Wöss (58) aus Linz. Zigaretten steckte ihm schon als Teenager der Vater zu, der sie als Amtsleiter oft geschenkt bekommen hatte. Der heute selbst dreifache Vater ärgert sich jetzt, wenn sich seine Jüngste (16) „eine anzündet“.

Sie sind jetzt schwer krank und kommen noch immer nicht von den Zigaretten los.
Es ist schon viel weniger geworden, ich hab´ nur noch die leichtesten Zigaretten. Ich brauche nicht das Nikotin, paffe nur. Mir bringen auch Nikotin-Stangerln nichts, weil ich es einfach brauche und mag, dass die Zigarette raucht. Ich bewundere jeden, der aufhört.

Wird Ihr Zustand sich noch einmal bessern?
Ich muss mein Niveau halten. Jede kleine Tätigkeit und vor allem jede Aufregung werden mir zu viel. Ich huste, bekomme zu wenig Luft und muss mich aufs Atmen konzentrieren. Das Leben ist nicht mehr lebenswert.

Dennoch kämpfen Sie.
Für meine Kinder und meine fünfjährige Enkelin. Sie ist schon eine perfekte Krankenschwester und ein „Opa-Mäderl“. Geht es mir schlecht, nimmt sie mir die Zigaretten weg und sagt „Opa, ich brauch dich noch lang, du darfst nicht rauchen.“





Foto: Markus Schütz

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