06.11.2007 17:49 |

Gesamtschule

Darauf haben sich Schmied und Hahn geeinigt

Es ist ein typisch österreichischer Kompromiss, mit dem man leben kann. Beide mussten zurückstecken - Claudia Schmied und Johannes Hahn. Die Berge kreißten - und es wurde die neue Mittelschule geboren. "Mittelschule light", ätzte die Oppostion. Aber nach der großkoalitionären Eiszeit am Wochenende wurde ein Stolperstein beseitigt.

Montag 18.30 Uhr, Minoritenplatz, Blauer Salon des Unterrichtsministeriums. Blitzlichtgewitter, ein Knäuel von Mikrofonen. "Ein ganz ganz wichtiger Schritt ist erfolgt", freut sich Claudia Schmied."Ein Baby ist geboren", schmunzelte Johannes Hahn.

Das sind die gravierensten Punkte der Schulreform, die im Herbst 2008 gestartet wird:

  • Das Modell der neuen Mittelschule wird nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen eingeführt: Zwei Drittel der Eltern, deren Kinder die AHS-Unterstufe oder die Hauptschule besuchen, müssen zustimmen. Aber auch zwei Drittel jener Lehrer, die an diesem Schulstandort unterrichten.
  • Die Eltern müssen weiter die Möglichkeit haben, ihre Kinder in den Schultyp zu schicken, den sie bevorzugen. Es muss im politischen Bezirk neben der neuen Mittelschule auch die Hauptschule und die AHS angeboten werden. Sollte es nur eine AHS geben, werden Modellklassen eingeführt.
  • Auch die Schulmodelle der Länder werden zugelassen. Wichtig dabei ist, dass alle diese Experimente wissenschaftlich begleitet werden. Ganz einfach deshalb, damit man weiß, ob die Leistungen der Schüler tatsächlich steigen. Nach dem Schock der Pisa-Studie ist das unbedingt notwendig, versichern Experten.
  • Die Gesamtschule für 10- bis 14-Jährige startet im Herbst 2008 in sieben Modellregionen in den Bundesländern Kärnten, Steiermark, Salzburg und Burgenland. 30 bis 40 Schulen werden in dieses Programm eingebunden. "Das Baby ist noch nicht da, aber das Kinderzimmer ist schon eingerichtet", erklärte der Chef der Expertengruppe, Bernd Schilcher. Aber die Geister scheiden sich daran, dass es kein Sitzenbleiben gibt.

Nur Spott und Häme von der Opposition
Die Reaktionen auf die nicht ganz erwartete Einigung: Jubel in den Koalitionsreihen - von dem sonst so grimmigen SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina und dem ÖVP-General Hannes Missethon. Spott und Häme von der Opposition. "Die große Bildungsreform wurde entgültig abgesagt", so der grüne Bildungssprecher Dieter Brosz "Die SPÖ ist wieder mit Bomben und Granaten umgefallen", spöttelte der BZÖ-General Gerald Grosz.

Von Dieter Kindermann, Kronen Zeitung

Den Entwurf im Wortlaut findest du in der Infobox!

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