Bisher sei unklar gewesen, wie die Parasiten trotz der ständig steigenden Menge von Antikörpern im Blut des Menschen überleben können. Aus den Erkenntnissen könnte sich möglicherweise einmal eine neue Therapie entwickeln lassen.
Die von der Tsetsefliege übertragenen Erreger (Trypanosomen) schwimmen nach Beobachtung der Biologen pausenlos in eine Richtung und erzeugen damit eine Strömung. Die Antikörper werden durch diesen "Fahrtwind" nach hinten in Richtung Zellmund getrieben. Dort werden sie aufgenommen und danach verdaut. Somit können sie das Immunsystem nicht mehr alarmieren. "Der Einzeller frisst die für ihn tödlichen Antikörper", betonen die Forscher.
Erreger schwimmen um ihr Leben
Mithilfe eines genetischen Tricks, der so genannten RNA-Interferenz, schalteten die Forscher im Labor bei Trypanosomen den "Rückwärtsgang" ein. Ergebnis: Statt nach hinten zum Zellmund zu wandern, gelangten die Antikörper zur Vorderseite der Zelle. Damit sei auch geklärt, warum die Erreger niemals aufhören, vorwärts zu schwimmen, auch wenn sie im schneller fließenden Blut des Menschen kaum vorankämen: Sie schwimmen um ihr Leben. Könnte man sie wie im Labor auch im Körper mit Hilfe der RNA-Interferenz am Schwimmen hindern, wären sie dem menschlichen Immunsystem hilflos ausgeliefert.
Nach den Angaben der Max-Planck-Gesellschaft leben mehr als 60 Millionen Afrikaner südlich der Sahara im Risikogebiet der Schlafkrankheit. Diese "vergessene Krankheit" fordere viele Tausend Todesopfer jährlich. An der Arbeit waren auch Thomas Pfohl und Stephan Herminghaus vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen beteiligt.








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