Die Helden haben bei ihrem Sieg über das Böse jedoch ein ziemliches Schlachtfeld hinterlassen und den Turm, Ausgangspunkt aller Widerwärtigkeiten des neuen Overlords, in Schutt und Asche gelegt. Um also erneut mit strenger Hand über das finstere Reich herrschen zu können, muss seine Scheußlichkeit im ganzen Land verstreute Raubtümer wieder zusammenklauben - und obendrein noch ein wenig Chaos stiften.
Behilflich sind dem dunklen Lord dabei die Minions, kleine, aber äußerst schlagkräftige und nützliche Schergen. So können die Rabauken nicht nur binnen kürzester Zeit das schönste Interieur zu Staub zerlegen, sondern sich auch willenlos auf Gegner stürzen oder als "Packesel" wichtiges Equipment herankarren. Allerdings ist Minion nicht gleich Minion: Vier verschiedene Arten der streitsüchtigen Kerlchen gibt es und sie alle wollen vom Spieler gezielt eingesetzt werden.
Während die braunen Minions wahre Nahkampfspezialisten sind, aber Feuer oder Gift schutzlos ausgeliefert sind, können die roten Schergen den Flammen trotzen und aus der Distanz Brandpfeile verschießen. Die grünen hingegen sind immun gegen Gift und - im Vergleich zu den im Nahkampf schwächelnden Roten - hinterhältige Meuchelmörder. Zu guter Letzt stehen dem Overlord auch noch blaue Minions zur Seite: Sie verstehen sich nicht aufs Kämpfen, können dafür jedoch unbeschadet durchs Wasser gehen und verwundete Kameraden heilen.
Die Besonderheit des Spiels besteht nun darin, dass der Spieler sowohl den finsteren Lord als auch die Schergen (insgesamt über 40) steuert. Während der linke Analogstick den Overlord bewegt, können die Minions mit dem rechten Stick navigiert werden - und zwar sowohl als gesamte Horde oder fein säuberlich nach ihren Fähigkeiten getrennt. Gerade in hitzigen Gefechten erweist sich die Möglichkeit der Aufteilung als nützliches Feature: Während die Roten etwa eine Gruppe Gegner mit ihren Brandpfeilen unter Beschuss nehmen, können die Braunen mit vereinten Kräften eine Zugbrücke öffnen. Bei Bedarf lassen sich aber auch einzelne Minions auswählen, um sie etwa mit einer Giftbombe direkt in eine Gegnerschar zu dirigieren.
Einen kleinen Haken gibt es aber: Die Minions stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Segnen sie das Zeitliche, muss erst einer der sich im ganzen Land auftuenden Höllenschlunde aufgesucht werden, um weitere Schergen herbeizurufen. Ist der Minion-Verbrauch zu hoch, kann es jedoch vorkommen, dass die Quellen des Bösen versiegen und der gemeine Held plötzlich auf sich alleine gestellt ist. Grund zur Panik besteht in diesem Fall jedoch keiner, denn neben einer Axt verfügt der Overlord auch über magische Fähigkeiten, mit deren Hilfe sich allerlei Dinge in Brand setzen, Gegner manipulieren oder Schilde herbeizaubern lassen.
Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich in der Schmiede des Turms bessere Ausrüstung anfertigen zu lassen. Dafür bedarf es jedoch großer Mengen an Gold und - unter Umständen - auch der geopferten Seelen einiger Minions. Je mehr Untertanen man bereitwillig den Flammen übergibt, umso stärker werden Helm, Rüstung oder Schwert. Allerdings stehen dann umso weniger Schergen im eigentlichen Spiel zur Verfügung. Erst durch ausgiebiges Plündern und Rauben kann die Anzahl der Minions wieder gesteigert werden. Für den Spieler bedeutet das leider, dass er des Öfteren an bekannte Schauplätze zurückkehren muss, um abermals Schafe, Halblinge und Co. dahinzuraffen.
Wenngleich die Entwickler zwar leider auf eine Kartenfunktion vergessen haben, macht das Streifen durch die weitläufigen Landschaften durchaus Spaß. Wurde doch alles getan, um eine angenehm bunte und klischeebeladene Fantasywelt zu erschaffen. Die Grafik mag zwar nicht mehr ganz "State of the Art" sein, erfreut den Spieler aber immer wieder mit kleinen und liebenswürdigen Details. Alleine der Anblick der wild randalierenden Schergen dürfte Spielerherzen mehr als einmal zum Lachen bringen. Gleiches gilt für die mit viel Witz (in Deutsch) vorgetragenen Dialoge sowie den wunderschön orchestralen Soundtrack.
Etwas weniger Mühe scheinen sich die Macher hingegen beim Multiplayer-Modus gegeben zu haben. Lediglich zwei Modi (Deathmatch und Koop) mit je zwei Maps fanden den Weg auf die Disc.
Fazit: Zuerst die schlechte Nachricht: "Overlord" hat - neben der fehlenden Kartenfunktion und dem eher dürftigen Multiplayer-Part - vor allem ein Problem: das Missionsdesign. Die Aufträge beschränken sich oftmals auf das Suchen von Gegenständen, die Rätsel sind zu einfach und das wiederholte Aufsuchen bekannter Orte, um neues Gold zu organisieren, zieht das Spiel unnötig in die Länge. Was "Overlord" aber letzten Endes auszeichnet, ist der Witz und Charme, den der fröhlich bunte Action-Adventure-Mix versprüht. Das unverbrauchte Szenario, verbunden mit einer trotz komplexer Abläufe übersichtlich gehaltenen Steuerung sowie einer sehr gute KI, dürfte somit ungeachtet kleinerer Schwächen lange vor die Konsole fesseln.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PC
Publisher: Overlord
Krone.at-Wertung: 84 %
von Sebastian Räuchle
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.