1987-Remake

Defender of the Crown

Spiele
09.09.2007 00:50
Wer sich an den Originaltitel noch erinnert, hat die Anfangszeiten des Computerspiels miterlebt: "Defender of the Crown" erschien erstmals 1987 für die legendäre Konsole Amiga. Damals setzte das Strategiespiel rund um die Eroberung Großbritanniens vor allem im Bereich der Grafik neue Maßstäbe - davon ist das Remake für den PC leider weit entfernt.

Dem Spieler schwant schon auf dem Startbildschirm Übles - ohne Intro wird er direkt ins Spiel geworfen. Um Großbritannien erfolgreich zu erobern, stehen verschiedene Helden zur Verfügung. Jeder hat Vor- und Nachteile, die sich im Test jedoch nicht merklich auf das Spielgeschehen ausgewirkt haben.

Je nach Favorit startet der Spieler mit einer Burg auf einer Länderei. Das Tutorial führt in Form von Textfeldern durch die ersten Spielminuten. So wird klar, wie man seine Armee bewegt, die Burg ausbaut oder Ländereien erobert.

"Defender of the Crown" ist ein rundenbasiertes Strategiespiel, bei dem sich die Strategie jedoch zum Leidwesen des Spielers auf den möglichst raschen Aufbau einer starken Armee beschränkt. Pro Zug steht dem Spieler eine gewisse Anzahl an Bewegungspunkten zur Verfügung. Zieht die Armee auf ein noch unbesetztes Kartenstück oder das eines Feindes, auf dem keine Soldaten stationiert sind, wird es automatisch annektiert.

Soldaten werden an den eigenen Burgen rekrutiert, natürlich nur gegen bare Münze. Jede Länderei wirft Geld ab, zusätzlich kann der Spieler Wettkämpfe veranstalten oder dazu aufgefordert werden. Dann gilt es in einem gähnend langweiligen Duell, den Gegner mit der Lanze vom Pferd zu werfen. Herausforderung ist das freilich keine, denn der Gamer muss nur im richtigen Moment die Maustaste drücken.

Ebenso grafisch wie spielerisch daneben gegangen ist ein weiteres Minispiel: Wird eine Prinzessin entführt, kann der Gamer sie mit entsprechendem Goldeinsatz und einer Armee aus der Gefangenschaft befreien. Die Spielfigur bewegt sich automatisch zum jeweils nächsten Gegner, dann wählt der Spieler aus verschiedenen Angriffs- und Verteidigungsbewegungen. Der darauffolgende Kampf läuft ebenso ohne direkte Beteiligung des Gamers ab.

Wem selbst bei der Eroberung einer Burg via Katapult nicht die Füße einschlafen, der hat womöglich sogar an der aufregungsfrei gestalteten Karte - die der Spieler meist vor der Nase hat - seine Freude. Die bietet zu allem Überfluss kaum taktische Möglichkeiten, wie aus unzähligen Strategietiteln bekannt. Dem Spieler bleibt nur, in kurzer Zeit eine möglichst große Armee aufzustellen und Türme sowie Burgen auf seine Ländereien zu stellen. Währenddessen rotten sich die Computergegner meist dankenswerterweise gegenseitig aus. Das Spiel läuft ausnahmslos darauf hinaus, dass dem Gamer ein Computergegner gegenübersteht - die Endschlacht läuft automatisch ab. Die dabei entstehende Spannung kann dem Spieler höchstens ein Gähnen abringen. Das Resultat wird - wie bei Eroberungsfeldzügen oder Befreiungsaktionen auch - als schnödes Bild mit Textinsert angezeigt.

Fazit: Nostalgie hin oder her - von der Grafik, die als verzweifelte Mischung aus hoffnungslos veraltet und lieblos treffend beschrieben ist, einmal abgesehen, ist "Defender of the Crown" leider nicht einmal ein annähernd forderndes geschweige denn spannendes Strategiespiel. Viel zu wenig taktische Möglichkeiten lassen selbst wahre Rundenstrategen - die sich mit den anderen Mankos des Spiels womöglich als einzige abfinden könnten - verzweifelt das Handtuch werfen. Ein Tipp für alle, die nicht ganz auf das Spiel verzichten möchten: Das Originalgame aus dem Jahr 1987 ist als Freeware im Internet zu finden.

Plattform: PC
Publisher: rondomedia
Krone.at-Wertung: 30 %

von Bernadette Geißler

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