Mord an Kind

Alle zwölf Angeklagten freigesprochen

Ausland
07.09.2007 16:44
Im Prozess um den vor sechs Jahren verschwundenen fünfjährigen Pascal sind am Freitag alle zwölf Angeklagten aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. "Der Verdacht bleibt, aber auf einen bloßen Verdacht hin darf niemand verurteilt werden", erklärte der Vorsitzende Richter Ulrich Chudoba am Freitag in der Urteilsbegründung des Saarbrücker Landgerichts.

Den acht Männern und vier Frauen im Alter von 38 bis 64 Jahren war vorgeworfen worden, den fünf Jahre alten Buben im September 2001 im Hinterzimmer einer Bierkneipe vergewaltigt und getötet oder Beihilfe zu der Tat geleistet zu haben.

„Im Zweifel für den Angeklagten“
Von Pascal fehlt bis heute jede Spur. Die Hauptverhandlung zu dem spektakulären Fall hatte vor knapp drei Jahren begonnen. Dem Gericht erscheine es "durchaus möglich", dass sich die Tat im Wesentlichen so abgespielt hat, wie in der Anklage formuliert, sagte Chudoba weiter. Zumindest bei drei Hauptangeklagten würden die Hinweise überwiegen, dass sie sich strafbar gemacht hätten. Den Angeklagten sei aber weder Schuld noch Unschuld nachzuweisen gewesen. Weil es "keine zweifelsfreie Überzeugung" gebe, gelte: "Im Zweifel für die Angeklagten."

Angesichts "prozessualer Plänkeleien" sei das Leid von Pascal und dessen Spielkameraden, der laut Anklage ebenfalls von mehreren der Angeklagten sexuell missbraucht worden sein soll, fast in Vergessenheit geraten. Daher sei es "umso unbefriedigender", dass das Schicksal der Buben nie habe aufgeklärt werden können.

Ein Schuldspruch wegen Drogendeliktes
Die Gasthauswirtin Christa W. (im Bild) wurde wegen eines mitverhandelten Drogendelikts zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Sie hatte für ihren Sohn Drogen ins Gefängnis geschmuggelt. Die Staatsanwaltschaft hatte die 54-Jährige als Drahtzieherin und als die "zentrale Figur" einer Kinderschänderbande bezeichnet.

Die Hauptverhandlung zu dem spektakulären Fall hatte vor knapp drei Jahren begonnen. Bereits im Juni 2006 hatte das Gericht wegen Zweifeln am Mordvorwurf die Haftbefehle gegen alle Angeklagten ausgesetzt. Die Eltern von Pascal starben während des Prozesses: seine 46-jährige Mutter im Juni 2005 nach unbestätigten Zeitungsberichten an einer Hirnblutung, sein 50 Jahre alter Vater nur kurze Zeit später an einem Herzinfarkt nach einer Schlägerei.

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