Fr, 17. August 2018

Politik mischt mit

09.08.2007 13:30

Kritische Lage beim slowakischen Staats-TV

Bei einer Krisensitzung des slowakischen Fernsehrates am Mittwoch ist heftige Kritik an der Lage der Nachrichtenberichterstattung beim öffentlich-rechtlichen Slowakischen Fernsehens (STV) geäußert worden. Zwölf Redakteure der "Abendjournal"-Redaktion hatten ihre Kündigung eingereicht. Als Grund führten sie Druck der STV-Leitung an, regierungskonforme Berichte zu machen und die Zensur regierungskritischer Beiträge.

Doch: "Niemand hat Beweise", sagte der Journalist Michal Petruska, der ebenfalls seinen Dienst quittierte, nach der Sitzung. Keiner von den Redakteuren bestätigte demnach direkte Eingriffe in Beiträge; es sei aber von indirektem Druck die Rede gewesen.

"Die (STV-)Leitung ist sehr vorsichtig. Beweis ist, dass schon zwölf Redakteure sich für den Weggang entschieden haben, weil sie nicht mehr die Möglichkeit einer freien Produktion hatten", sagte Petruska. In der "Abendjournal"-Redaktion sind insgesamt 40 Redakteure tätig.

Kommission soll Redaktion überprüfen
Ein Redakteur beschwerte sich, einer seiner Beiträge sei von der Redaktionsleitung nach der Sendung kritisiert worden. Jan Smihula, der Chef des "Abendjournals", beschwerte sich über mangelnde Professionalität und Disziplin der Redaktion. Die Redakteure sahen wiederum mangelnde Professionalität bei der Leitung. Nun soll eine unabhängige Kommission die Situation in der "Abendjournal"-Redaktion prüfen, wie der Fernsehrat beschloss.

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in der Slowakei ist in einer schwierigen Lage. In Konkurrenz mit den privaten TV-Sendern - Markiza, JOJ und TA3 ist es seit geraumer Zeit im Hintertreffen. Experten sehen in der Professionalität das Hauptproblem bei STV. Es sei schwer, die Qualität aufrecht zu erhalten, wenn die privaten Sender ihren Mitarbeitern bessere Bedingungen anböten.

Geschichte voller Einmischung von politischer Seite
In den Jahren 1993 bis 1998 stand STV stark unter dem Einfluss der Bewegung für eine Demokratische Bewegung (HZDS) des damaligen Ministerpräsidenten Vladimir Meciar. Danach, als sich HZDS in Opposition befand, mussten Redakteure, die mit der HZDS verbunden waren, STV verlassen. Auch unter der Mitte-Rechts-Regierung von Premier Mikulas Dzurinda blieb ein gewisser politischer Druck spürbar. Nach der Parlamentswahl 2006 taten die Vertreter der derzeitigen Koalitionsparteien, besonders aber Politiker der wieder als Juniorpartner an die Regierung gekommenen HZDS, kund, sie wollten größeren Einfluss auf die Berichterstattung nehmen.

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