„Auch wenn manche von der Freizeitgesellschaft sprechen - wir leben in einer immer dichter werdenden Arbeits- und Leistungsgesellschaft, die nicht wenige schon in jungen Jahren zu Außenseitern stempelt“, schließt Dr. Christine Stelzer-Orthofer aus den Recherchen ihrer Studierenden. Besonders schwer haben es junge Menschen mit schlechten Zeugnissen in der Pflichtschule oder jene, die ohne Schulabschluss oder Erstausbildung bleiben. Zugleich schaffen junge Erwachsene auch bei guter Ausbildung den Einstieg in den Arbeitsmarkt oft nur über atypische Arbeitsverhältnisse, wie befristete Verträge, freie Dienstnehmerverträge oder unbezahlte Praktika.
Bei all dem öffnet sich die Schere zwischen armutsgefährdeten Heranwachsenden und jenen, die vom Wohlstand profitieren, immer weiter. „Je nach Erhebungsmethode und Schwelle lassen sich für Oberösterreich zwischen 34.000 und 70.000 armutsgefährdete Kinder und Jugendliche errechnen“, so Stelzer-Orthofer. Nach Ansicht ihrer Studenten wäre daher der Ausbau des Betreuungs- und Beratungsangebotes für Jugendliche wichtig.
„Sollten unsere eigene Jugend nicht verklären“
Ass.-Prof. Dr. Christine Stelzer-Orthofer hat mit 26 Studenten der Linzer Lehrveranstaltung „Armut und soziale Ausgrenzung“ den (politischen) Stehsatz „Jugend ist Zukunft“ hinterfragt. Während Ältere nach Jugendlichkeit streben, haben es Junge oft schwer.
„Jugend“ und „unbeschwert“ - wenn man Ihren Armutsbericht liest, scheint das heutzutage schon ein Widerspruch zu sein…
Jede Jugendgeneration hat ihre eigenen Herausforderungen. Wir sollten unsere eigene Jugend nicht verklären, das führt zu Panikmache und Pessimismus. Das betrifft Probleme im Kleinen - Stichwort: Komatrinken - wie im Großen - Stichwort: Klimawandel. Wichtig ist es, gemeinsam an konstruktiven Lösungen zu arbeiten.
Wie wäre es für Sie persönlich, wenn Sie heute selbst erst 17 Jahre wären?
Ich halte es für äußerst positiv, welche Angebote, Möglichkeiten und Informationen Jugendlichen heute offen stehen. Das birgt aber auch die Gefahr der Überforderung, der Orientierungslosigkeit oder auch des Scheiterns in sich.
Foto: Martin Jöchl
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