Dreckschleuder

Colin McRae DiRT

Spiele
28.06.2007 12:48
"Fünfhundert links über Scheitel, Vorsicht!", brüllt der Co-Pilot. Doch zu spät: Der Ausflug über die Buckelpiste im australischen Outback endet im Graben. Stoßstange und Beifahrertür verabschieden sich für immer, auch die Frontscheibe sagt mit einem lauten Knall Lebewohl. Grund zur Klage ist das jedoch nicht, schließlich bietet Codemasters Rallye-Spiel "Colin McRae DiRT" trotz so mancher Niederlage einen enormen Fahrspaß.

Kernstück des Spiels ist der Karriere-Modus, in dem sich der Spieler in ganzen 66 Events an die Spitze kämpfen bzw. fahren muss. Mit jedem gewonnenen Rennen werden nicht nur neue Rennen freigeschaltet, es wandert auch ein ordentlicher Batzen Geld auf das eigene Konto. Damit kann anschließend nach Herzenslust der eigene Fuhrpark erweitert werden.

46 Fahrzeuge, etwa der Suzuki Swift, der Peugeot 205 Turbo oder der Audi Sport Quattro S1, aber auch Buggys, Lkws, Pick-Ups und sogar Prototypen stehen zur Auswahl. "Gepimpt" werden können diese Wagen jedoch nicht, lediglich neue Lackierungen lassen sich erwerben. Dafür darf aber vor jedem Rennen in der Garage an Stoßdämpfern, Radaufhängung, Differential und Co. geschraubt und gewerkelt werden, um das Optimum aus dem Wagen herauszuholen.

Ein kurzer Abstecher in die Garage ist auch immer dann vonnöten, wenn der Wagen während des Rennens ein paar Kratzer und Beulen davongetragen hat. Ausschlaggebend für das Ausmaß des Schadens ist der vor jedem Rennen gewählte Schwierigkeitsgrad. Während blutige Anfänger ihren Wagen noch gegen alles und jeden setzen können, und dennoch ungeschoren davon kommen, führen Kollisionen mit steigendem Schwierigkeitsgrad erst zu einer Beeinträchtigung des Fahrverhaltens und schließlich zum Totalausfall. Da sich, im Gegensatz zu etwa "Forza 2", keine Fahrhilfen einschalten lassen, kann eine Probefahrt vor dem Rennen also durchaus sinnvoll sein.

Die einzelnen Events selbst unterteilen sich in die für die Colin-McRae-Serie klassischen Modi Rallye und Hill Climb (ohne Beifahrer), hinzukommen allerdings die neuen Modi Rallye Raid, CORR, Crossover und Rallycross, bei denen der Fahrer auch auf recht ruppige Art die Bekanntschaft anderer Fahrer machen kann. Das mag sich zwar negativ auf den eigenen Lauf auswirken, gibt dem Spieler dann allerdings die Gelegenheit, sich am herrlichen Schadensmodell zu erfreuen: Berstendes Glas, abbrechende und auf der Strecke liegen bleibende Türen oder Stoßstangen sorgen für einen hohen Grad an Realismus.

Intensivieren lässt sich dieses Gefühl noch durch die Wahl der Kameraperspektive. Anders als beim bereits erwähnten "Forza 2" bietet "DiRT" nämlich nicht nur zwei Verfolger- sowie eine Stoßstangen- und Motorhauben-Perspektive, sondern auch eine Helmkamera. Der Blick durch den schützenden Gitterkäfig schränkt zwar die Sicht stark ein, lässt aber tatsächlich das Gefühl entstehen, mittendrin statt nur dabei zu sein. Gleiches gilt für die fiktiven Strecken, die, obwohl ein wenig zu sehr weichgezeichnet, eine unglaubliche Fülle an Details zu bieten haben.

So geht es im britischen Nebel über schlammige Pfade, auf Serpentinen vorbei an rheinischen Weinbergen, durch kleine japanische Bergdörfer oder auf holprigen Wegen durch staubige Wüstenlandschaften im australischen Outback. Begleitet wird das ohnehin schon nette Szenario von jubelnden, den Wegesrand säumenden Fans, einer grandiosen Weitsicht sowie dem Aufheulen und Knattern der Motoren. Ergänzt wird die Soundkulisse, sofern eingeschaltet, durch die exakten Anweisungen des Co-Piloten. Sehr nett, wenngleich auf Dauer auch etwas nervend, ist der Menü-Sprecher, der zu sämtlichen Punkten freudig Auskunft erteilt.

Neben dem Karriere-Modus warten schließlich noch ein Meisterschafts- und der Rallye-Welt-Modus auf den Spieler. Erster vereint verschiedene Rennen in einer europäischen, einer internationalen und einer globalen Meisterschaft. Im Rallye-Welt-Modus darf der Spieler hingegen sein Können in Einzelrennen, Einzelevents oder beim Zeitfahren unter Beweis stellen. Allerdings stehen nur jene Strecken und Fahrzeuge zur Auswahl, die zuvor im Karriere-Modus freigespielt wurden.

Etwas mager fällt hingegen der Multiplayer-Part aus. Auf einen Splitscreen-Modus für zwei Spieler wurde gleich ganz verzichtet und auch die Rennen über Xbox Live können nicht den Spaß des Einzelspieler-Modus vermitteln. Der Grund: In den gebotenen Modi Rallye und Hill Climb ist der Spieler stets alleine auf der Strecke - selbst wenn bis zu 100 Spieler am Rennen teilnehmen.

Fazit: "Ich habe ein neues Lieblings-Rennspiel", lautete das Fazit nach den ersten Rennen auf staubigen Pisten. "Colin McRae DiRT" sieht nicht nur verdammt gut aus, sondern macht aufgrund des sehr arcadelastigen Gameplays (zumindest im Karriere-Modus, die Meisterschaft ist da schon anspruchsvoller) einfach unglaublich viel Spaß. Hier stimmt einfach (fast) alles - es darf also beherzt zugegriffen werden!

Plattform: Xbox 360 (getestet), PC, PS3
Publisher: Codemasters
Krone.at-Wertung: 90%

von Sebastian Räuchle

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Spiele
28.06.2007 12:48
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

KMM
krone.at
krone.at
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung