15.06.2007 11:31 |

Blutige Eroberung

Hamas ruft "islamische Herrschaft" aus

Mit der blutigen Eroberung weiterer Fatah-Hochburgen in Gaza hat die radikal-islamische Hamas am Donnerstag praktisch die komplette Kontrolle im Gazastreifen übernommen. „Dies ist der Beginn der islamischen Herrschaft“, erklärte ein Hamas-Sprecher. Der „Bruderkrieg“ der Palästinenser löste rund um den Globus Initiativen zur Krisenbewältigung aus. Palästinenserpräsident Abbas hat indes beschlossen, die Einheitsregierung aus Fatah und Hamas aufzulösen und in den Autonomiegebieten den Notstand zu verhängen.

Abbas' gemäßigte Fatah hatte zuvor schwere Rückschläge bei den Kämpfen gegen die radikale Hamas im Gazastreifen hinnehmen müssen, beherrscht aber weiter das Westjordanland.

Bei den Kämpfen wurden am Donnerstag mindestens 20 Menschen getötet, darunter 18 Fatah-Kämpfer. Seit Beginn der Eskalation am Sonntag sind damit mehr als 100 Palästinenser ums Leben gekommen. Bei Kämpfen um die Zentrale des palästinensischen Geheimdienstes in Gaza wurden mindestens 14 Menschen getötet.

Wenig später stürmten Hamas-Kämpfer ein zweites Hauptquartier der palästinensischen Geheimpolizei im Nordwesten der Stadt sowie die Büros des palästinensischen Rundfunks und setzen sie in Brand.

Nur noch Sitz von Abbas und Verwaltungstrakt geschützt
Die letzten beiden Fatah-Hochburgen in Gaza waren am Abend noch die von der Präsidialgarde geschütze Residenz von Palästinenserpräsident Abbas und das Saraya-Verwaltungszentrum der Sicherheitskräfte. Ein Hamas-Führer kündigte die baldige Einnahme der Präsidentenresidenz an. Die Freitagsgebete sollten bereits in dem Gebäude stattfinden.

Die Arabische Liga berief für diesen Freitag eine Sondersitzung in Kairo ein und forderte die Palästinenser „im Namen aller Araber“ auf, das Töten einzustellen. Liga-Generalsekretär Amr Mussa erklärte nach einem Vorbereitungstreffen, die Mitgliedstaaten hätten die Palästinenser „im Namen aller Araber“ aufgefordert, das Töten einzustellen.

Abbas und Olmert wollen internationalen Einsatz
Die Vereinten Nationen in New York erhielten den Ruf nach einer Friedenstruppe für den Gazastreifen. Abbas und Israels Ministerpräsident Olmert hätten einen internationalen Einsatz telefonisch bei ihm angesprochen, sagte UN-Generalsekretär Ban. Es gebe aber viele Fragen zu klären, unter anderem den Einsatzort und die Aufgabe einer Truppe. Die Hamas lehnte die Forderung strikt ab.