Nach 7 Jahren

Schlepperprozess gegen Politiker

Die Justizministerin aus Perg gab nun den Staatsanwälten in Linz grünes Licht: Der oö. Landtagsabgeordnete Otto Gumpinger (50) wird wegen Betrugs, Schlepperei und Passfälschung angeklagt. Der Politiker-Prozess kann im Herbst über die Bühne gehen - siebeneinhalb Jahre nach dem Auftauchen des Verdachts.

ÖVP-Außenministerin Benita Ferrero-Waldner war im April 2000 mit 15 parlamentarische Anfragen zum VP-Parteifreund Gumpinger befasst worden, weil dessen Einladungen für UkrainerInnen um mehr als das Doppelte angestiegen waren: Obwohl dort nur 25 Landlerfamilien leben, waren Tausende nach Oberösterreich geschleust worden. Einige trotz Einreiseverbots, viele mit gefälschten Arbeitspapieren - die meisten tauchten illegal im Westen unter. Einzelverdachtsfälle wurden mit gefälschten Unterschriften und Passstempeln entkräftet.

Es galt und gilt die Unschuldsvermutung. Deshalb flossen weiterhin siebenstellige Landesförderungen in die „Landlerhilfe“ des Familienbundpräsidenten, bis im Vorjahr seine moldawische Reiseleiterin Tatjana S. (29) verhaftet und verurteilt wurde. Und in fünf Geständnissen auspackte: Ihre Landsleute hätten ihrer Schlepperbande für jedes One-Way-Ticket 3200 Euro bezahlen müssen - davon habe der Politiker je 450 Euro kassiert. Wie oft?

Nur 84 Zeugenprotokolle finden sich im Akt, der auf sechs Bände mit 3000 Seiten angeschwollen ist. Ein Polit-Krimi mit brisanten Details am Rande: Über seinen angeblich geraubten Audi A 8 um 52.000 Euro oder die angeblich unterschlagenen 22.000 Euro von 21 MoldawierInnen…

 

 

 

Foto: Chris Koller

Samstag, 19. Juni 2021
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