Massaker im Eis
Kanada gibt 270.000 Robben zum Töten frei
Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Fischereiministeriums, Mike Hammill, räumte ein, dass die Sterberate der Robbenbabys im Süden des Golfs schon vor Jagdbeginn bei bis zu 100 Prozent lag. Eine dicke zusammenhängende Eisdecke ist Grundvoraussetzung für das Überleben der Robbenpopulation. Sie stellt sicher, dass die Babys auf einer festen Scholle geboren und gesäugt werden. Ohne sie landen die neugeborenen Robben oft im Wasser und ertrinken, weil sie noch nicht schwimmen können. Die kanadische Regierung schätzt die Robbenbevölkerung im Atlantik auf 5,5 bis 5,8 Millionen Tiere und sieht keinen Anlass zur Sorge.
Dagegen schreibt der IFAW, dass die diesjährige Fangquote - ebenso wie die der vergangenen drei Jahre - weit über der Zahl liege, die selbst staatliche Wissenschaftler als bestandserhaltend angäben. Hinzu käme, dass die Jäger die Quote im vergangenen Jahr weit überschritten und fast 20 000 Robben mehr als zugelassen getötet hätten, berichtet der Tierschutz-Fonds in einer Erklärung aus Hamburg.
In diesem Jahr startet die Jagd verspätet, weil es kaum Packeis im südlichen St.-Lorenz-Golf gibt. Der IFAW hat nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Wochen Erkundungsflüge unternommen und eine "katastrophale" Eissituation vorgefunden. "Durch das mangelnde kompakte Eis werden die Jäger vorwiegend vom Boot aus auf die Robben schießen. Genaues Zielen ist unter den Umständen schwierig. Viele Tiere werden nur verletzt und flüchten ins Wasser, wo sie einen langsamen, qualvollen Tod erleiden."
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