Müller als Profiler

¿Horror-Mord¿ nach Familienstreit?

Oberösterreich
10.03.2007 18:59
Auch wenn am Dienstag (13.) in Linz der Prozess zum Mordfall Sandra Miny beginnt - wie die 21-Jährige getötet wurde, ist weiter unklar. Zumindest für Verteidiger Andreas Mauhart. Staatsanwalt Dietmar Gutmayer hat für die Anklage aber mit einer Indizienkette und zahlreichen Gutachten den Fall rekonstruiert. Er klagt die Mutter Romana Miny (43) des Mordes an. Vier Verhandlungstage sind für den Geschwornenprozess geplant.

Auch der Kriminalpsychologe und Bestseller-Autor Thomas Müller wurde zur Klärung des Falles herangezogen: Er kommt zu dem Schluss, dass die Tat das Ergebnis einer Streit- und Konfliktsituation ist, die innerhalb des Familienverbandes zum Ausbruch kommt. Außerdem sagt Müller, dass bei dem Verbrechen „ein hoher Planungsgrad, der vor allem nach der eigentlichen Tötungshandlung feststellbar war“, bestand.

Tochter in der Nacht von 8. auf 9. Jänner getötet?
Das stützt die Anklage von Staatsanwalt Dietmar Gutmayer: Sie geht davon aus, dass Romana Miny ihre Tochter in der Nacht vom 8. auf 9. Jänner 2006 getötet hat. Und vor- wie nachher Vorbereitungs- und Ablenkungshandlungen gesetzt hat, um das Verschwinden der Tochter zu vertuschen. Unter anderem hat sie erzählt, Sandra sei nach Südamerika zu einem Indianerstamm gereist. Erst am 15. Jänner soll sie die Leiche von Sandra im Wochenendhaus ihrer Arbeitgeber in Idolsberg verbrannt, als das nicht funktionierte, zerstückelt und bei St. Nikola in die Donau geworfen haben. Schauriges Detail: Der Husky der Angeklagten verschleppte dabei eine Hand der Toten in den Geräteschuppen, wo sie von Kriminalisten gefunden wurde.

Sandras´ Torso wurde am 16. Jänner bei Sarmingstein am Donauufer gefunden und anhand von Tätowierungen identifiziert. Der Kopf fehlt.

Mutter leugnet
Romana Miny leugnet, ihre Tochter getötet zu haben. Andreas Mauhart versucht, die Leichenzerstückelung zu erklären: „Es ist bis heute nicht klar, wie Sandra gestorben ist. Es könnte ja auch sein, dass die Mutter mit dem toten Kind konfrontiert worden ist und deshalb bei ihr irgendwie die Sicherung herausgeflogen ist.“

Seine Angeklagte sei schwierig. Beim Prozess erwartet er sich wenig Aufklärung von ihr. Deshalb hat er noch einen Antrag auf Verhandlungsunfähigkeit gestellt. Abgelehnt!

Miny dreimal untersucht
So werden vor allem die Gutachter zu Wort kommen, die Romana Miny im vergangenen Jahr insgesamt drei Mal untersucht haben. Mit unterschiedlichen Ergebnissen. Schließlich erklärte Univ.-Prof. Reinhard Haller Sandras Mutter als bei der Tat zurechnungsfähig. Ihre schwere psychische Schädigung sei erst nach der Tat aufgetreten.

Der Gewornenprozess am Landesgericht Linz beginnt am kommenden Dienstag. Vorsitzende ist die junge Linzer Richterin Katharina Neumayr; für sie ist es das erste Schwurgericht, das sie leitet.

 

Foto: Chris Koller

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