"Estoy aqui!" - Hier bin ich! Mit dieser schlichten und einfach Aussage stürmte Shakira die Bühne der Wiener Stadthalle. Und dieses schlichte und einfache Motto zog sich auch durch den ganzen Abend. Die zierliche Sängerin faszinierte ihre Fans ganz ohne Showeffekte und eine bis auf den letzten Fußtritt durchgeplante Show. Der einzige "Special-Effect" war ohnehin Shakira selbst.
Für ihre glühenden Verehrer legte sie mehrere Tanzeinlagen aufs Parkett, bei denen sie ganz und gar nicht mit Reizen geizte - nur um Sekunden später zu beweisen, dass sie auch an der rosa Stromgitarre bei Songs wie "Don't Bother" nicht nur eine gute Figur macht, sondern ein paar anständige Soli herausbringt, die Anerkennung verdienen.
Im Mittelpunkt der mit knapp eindreiviertel Stunden leider etwas kurz geratenen Show standen neben Shakiras englischsprachigen Internationalerfolgen wie "Hips Don't Lie", "Whenever, Wherever" und Balladen wie "Underneath Your Clothes" erfreulicherweise auch ihre Songs aus jener Zeit, in der sie noch ein Geheimtipp unter einer sprichtwörtlichen Hand voll Europäern mit einem Faible für Südamerika war. Bei "Si te vas" und "Ojos asi" bewies das Wiener Publikum nicht nur Spanischkenntnisse sondern fast schon Textsicherheit.
Ein Hüftschwung zur rechten Zeit, ein "Bauch heraus" im goldenen Augenblick - und die Halle, in der so viel bauchfrei getragen wurde, wie zuletzt höchstens bei den Rolling Stones vor etlichen Jahren (und da mit Sicherheit aus einem anderen Grund...), jubelte lautstark. Auch indisches Flair samt Fächertanz brachte Shakira mit - und ureigenes, kolumbianisches, mit dem man in der Liste für die zahlreichen Genrewechsel noch ein Hakerl bei "Folklore" hinsetzen konnte.
Dass sie sich aufgrund der mit sieben Musikern für eine Sängerin ihres Formats relativ dünn besetzten Band, hin und wieder an eingespielten Samples statt echten Geigen und Trompeten bediente, störte hier niemanden. Schließlich macht es einen Unterschied, ob jemand mit offenen Karten oder gezinkten spielt. Und bei Shakira, die es ihren Fans auch an Herzlichkeit (sie nahm jedes Stofftier mit) und Nähe (beim Gimme-five-Spaziergang durch die ersten Reihen) nicht mangeln ließ, erkannte man das. Spätestens dann, als sie mit dem Publikum im abschließenden Konfettiregen badete.
Wer sich wunderte, dass die Stadthalle auffällig großflächig mit Plakaten eines spanischen Autoherstellers drapiert war - Shakira ließ sich bei der Tour in Form eines "powered by" unterstützen und nahm dem Autohersteller für das einmalige Enthüllen eines neuen Modells gleich ein paar hunderttausend Euro Spendengelder für ihre zahlreichen Hilfsprojekte in ihrer Heimat ab. Was wiederum beweist, dass sie neben ihrem Dasein als Stimmungskanone auf der Bühne weiß, wie man etwas aus seiner Popularität macht. Die Frau hat Grips - und Stimme!
Christoph Andert
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