Strategisch betrachtet ist es momentan sicher empfehlenswerter, eine Rockband mit jeder Menge Gitarren, einem abgefuckten Frontmann, einer kecken Bühnenschlampe und Liedern mit deutschsprachigen Texten zu gründen. Aber wer hat schon Lust, sich dem Modediktat der Charts zu unterwerfen?
Mit taufrischem Synthie-Pop, einem Sammelsurium an absolut un-rockstar-haften Keyboards respektive E-Pianos und durchschnittlich nur einer Gitarre haben Felix Räuber (voc/git/piano) Philipp Makolis (git/piano), Christian Grochau (dr), Uwe Pasora (ba) und Bernhard Wenzel (syn/key) ganz genau das Gegenteil von dem gemacht, was dir große Produzenten momentan zum Start der Musikkarriere raten.
Auf ihrem selbstbetitelten Debütalbum messen sich Polarkreis 18 songtechnisch an Größen wie Radiohead, AIR oder auch The Album Leaf. Ruhige, schwebende Kompositionen mit wenig bis gar keinem Stimmeinsatz gehen einher mit ekstatisch-sphärischem Chill-Out-Melodien, die von den temperamentvollen Ups and Downs präzise dargebrachter Rhythmus-Instrumente im Futter gehalten werden.
Felix Räubers Stimme - ähnlich wie Brian Molkos Organ, nur feiner - ist manchmal kaum von einer Frau zu unterscheiden. Mal atmet er die englischsprachigen, gedichthaften Lyrics nur über einem schmalen Band aus Streicher- und Synthiesounds - wirklich kräftig wird es nie.
Polarkreis 18 führen dich von einem großen Raum, erfüllt mit gleißend hellem Licht, hinaus in die Dunkelheit, um dir draußen durch farbenprächtige Nordlichter wieder Orientierung zu geben. Ein ungewöhnliches, aber klasses Debüt, für alle, die's gern etwas entspannter und trotzdem spannend mögen.
Polarkreis 18 spielen übrigens am 26. März im Wiener B72!
9 von 10 eisigen Breitengraden
Christoph Andert
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.