Es geschieht nicht oft - bei Wiener Publikum erfahrungsgemäß überhaupt recht selten - dass die Begeisterung Überhand gewinnt. Das vorletzte Konzert ihrer Europa-Tour wird den Frames vielleicht gerade deswegen in lebhafter Erinnerung bleiben. Frontmann Glen Hansard bekam das volle Programm: Applaus, Jubel, lieblich singende Ah-Ah-Chöre, ein kollektives Flüstern, das den ganzen Saal durch die rege Beteiligung mit lautem, gespenstischem Zischen erfüllte und zufriedene Gesichter junger Menschen, die in einem Dauerzustand von Glückseligkeit mit der Melancholie der Songs die Seele balsamierten.
Neben erprobtem Material wie "Revelate", "Happy", "Fitzcarraldo", "Star Star" oder "Dance The Devil", mit jenem mystischen Flüstern bei "I want my life to make more sense", spielten sie fast alle Songs ihres sechsten und neuesten Albums "The Cost". Glen Hansards Bühnenperformance war dabei mindestens so facettenreich wie seine Songs. Er verrenkt sich wie Mick Jagger, windet sich im Stand wie Eddie Vedder, kann so grantig dreinschauen wie Billy Corgan und hat den Lausbuben-Blick, wenn er kurz "Rock Me Amadeus" anreißt.
Der wohl nicht ganz ernst gemeinte, aber dennoch offiziell angekündigte Versuch, nach knapp anderthalb Stunden die Bühne zu verlassen, scheiterte kläglich. Zuerst spielten sie noch "Sad Songs" drauf, nachdem der Applaus und die Zurufe noch immer nicht abgeklungen waren, sahen auch die fünf Iren ihren Fehler ein und Glen Hansard ließ sich nach jeder weiteren "Zugabe" wieder eine seiner abgerammelten Gitarren reichen und sagte den Kollegen den nächsten Song an, weil man schon längst Off-Setlist war.
Beendet haben sie das Ganze (O-Ton: "This was fucking great") mit der Daniel-Johnston-Coverversion "Deviltown", die allein mit Fingerschnippen aus dem Publikum gespielt wurde. "Wisst ihr was toll wäre? Wenn die Strophe jetzt zu Ende ist, dreht ihr euch alle um, geht nach draußen und schnippt weiter, bis ihr zuhause seid." Der Song war zu Ende, The Frames verließen die Bühne jedoch unter tosendem Applaus, der sich doch noch eine weitere Zugabe erhofft hätte. Aber man hört auf, wenn's am schönsten ist.
Schnipp.
Christoph Andert
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