Der neue Seitenscheitel sitzt bei Oberchief, Sänger Ricky Wilson, zwar nicht mehr ganz so hingeleckt wie bei Franz Ferdinand, jedoch brüsten sich die fünf Briten immer noch mit ihrer Freundschaft zu den derzeit bekanntesten Nu-Brit-Poppern, die letztes Jahr ebenfalls erst ihr zweites Album herausbrachten. Die musikalische Abtrennung fällt leichter als die nach modischen Kritierien.
„Yours Truly, Angry Mob“ setzt auf die übliche Erfolgsgarantie, die Songs über soziale Ungerechtigkeiten, Armut und das Leben in der Gosse in Zeiten wie diesen mit sich bringen – aber weniger stark, als dies sein Vorgänger tat. Markenzeichen der Chiefs ist die druckvoll verzerrte Gitarre und die exakten Harmoniegesänge, mit denen sie sich von anderen britischen Rockbands absetzen bzw. unterscheiden lassen. Dort plärren ja allerorts noch die Kreisch/Quiek-Gitarren, die mit aller Gewalt nach den Beatles oder The Who klingen sollen, selbst wenn sich die Jungs damals lieber den satten Druck von heute gewünscht hätten. Auch Pop-Elemente finden in lässigen Vier-Akkorde-Nummern wie „I Can Do It Without You“ Platz, auf ihrer neuen Single „Ruby“ (UK: Platz 1) greifen sie auf „Ba-ba-ba“-Chöre der Marke Beach Boys zurück.
Satthören kann man sich an den Single-Stroke-Riffs und den großteils recht schnörkellosen Melodien zwar recht schnell, der Witz hinter Titeln wie „Love’s Not A Competition, But I’m Winning“ oder „My Kind Of Guy“, die zudem auch mit mehr instrumentaler Vielfalt glänzen, hat allerdings schon was. Ähem, nur die Sache mit dem Frisurendiktat sollte man sich noch einmal überlegen - musst ja nicht jeden Schxxx mitmachen...
7 von 10 Chefsachen
Christoph Andert
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