Das Fotoshooting zu ihrer ersten Platte zeigt Amy Jada Winehouse noch als fesches junges Mädchen mit nettem Blümchenkleid. Jetzt? Dünn, über und über mit Old-School-Tattoos bedeckt, die aussehen, als wären sie alle in einer Nacht entstanden, und irgendwie um zehn Jahre älter. „Ich trinke schon mal einen über den Durst. Nur, wenn ich dann zu viel habe, kann ich ein echtes Arschloch sein. Wirklich!“, erklärte sie in einem Interview mit der Times im November. Der Artikel trug den Titel: „She’s class with a glass“ – soviel dazu. Die ranke Figur kam übrigens, als sie das Kiffen aufgab – auch nett.
„(I’m Not Going Into) Rehab“ heißt der erste Song auf ihrem neuen Album „Back in Black“, das nach den eher weichen Klänge von „Frank“ mit stark Hip-Hop-lastigen Beats, eierndem Nachtclub-Piano und jazzig-souligen 60er-Jahre-Brass-Arrangements glänzt. Die ganze Platte klingt nicht nur einzigartig sondern so, als käme sie aus einer alten Jukebox, die in einer dunklen Ecke in einem versifften Pub steht und schon so manches halbvolle Pint um die Knöpfe geschlagen bekam.
Amy Winehouse kann bei geraden Songs wie „You Know I’m No Good“ oder dem fabulösen „He Can Only Hold Her“ den ganzen Dreck der Straßen Nordlondons in ihre Musik einsaugen und beim blechernen Plärren der kratzigen, widerborstigen Grooves wieder herausrotzen. Genau so, wie sie das einst mit der Flasche Single Malt bei ihrem mittlerweile legendären Auftritt Anfang Jänner im G.A.Y.-Club des Londoner Astoria Hotels tat. Dort waren angeblich die Zuschauer ebenfalls so sternhagelvoll, dass sie es gar nicht groß mitbekamen als sich Miss Winehouse schnell mal den Speibkübel krallte.
Die Schattenseiten ihres jungen, exzessiven Lebens durchlebt Amy Winehouse natürlich auch - aber gekonnt. Sie kündigte ihre Manager im Oktober, als sie diese mehr oder weniger öffentlich dazu aufriefen, endlich auf Entzug zu gehen. In ihren Songs schlagen sich die privaten Eklats zumindest qualitativ nicht nieder. Die Frau steht mit beiden Beinen – wenn auch manchmal mit wackeligen Knien – im Leben und räumt einen Preis nach dem anderen ab. Noch dazu kann sie Duette mit Piano-Mäzenen wie Jools Holland auf ihrem Referenzkonto verbuchen und hat auch einmal mit dem alten Paul Weller gesungen, der ja bekanntlich auch so einiges kübelt, wenn der Tag lang ist.
Ach ja, ihr Lieblingsdrink ist übrigens ein rattenscharfer Cocktail namens „Rickstasy“, bei dessen bloßem Anblick sämtliche gleichaltrige Chartkolleginnen (die Männer wahrscheinlich auch) wohl grün anlaufen würden: Drei Teile Wodka, ein Teil Southern Comfort, ein Teil Bananenlikör und ein Teil Bailey's, quasi als Saftzusatz.
Na, dann Prost – und immer schön weitersingen…
9 von 10 Schnapsdrosseln
Christoph Andert
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