Tschuuut, tschuuut!

Sid Meier’s Railroads

Spiele
17.01.2007 13:56
Ach ja, es waren schöne Zeiten - als man zum Spielen noch in den Keller gegangen ist, sich ein Mützchen aufgesetzt und an einem Trafo herumgedreht hat, um auf der Modelleisenbahn Züge zu dirigieren. Ausgerechnet "Sid Meier's Railroads", ein neumodisches PC-Spiel, schickt sich jetzt an, den Flair alter Modelleisenbahner-Tage wieder auferstehen zu lassen.

1990 schuf Sid Meier mit "Railroad Tycoon" (das Original kannst du über den Link in der Infobox übrigens kostenlos downloaden) die erste wirkliche Eisenbahnsimulation. 16 Jahre später präsentiert die Entwickler-Legende ein weiteres Eisenbahn-Abenteuer für PC-Besitzer. Ziel auch diesmal: sich von ganz unten nach oben zu arbeiten und ein alles beherrschender Tycoon zu werden.

Bevor es jedoch losgehen kann, muss sich der Spieler für das richtige Szenario entscheiden. Neben Teilen der USA stehen Karten von Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Süd-Europa oder diverse, frei erfundene Multiplayer-Maps für das Spiel per LAN oder Internet mit bis zu drei Mitspielern zur Verfügung. Wer sich nicht entscheiden kann, lässt Landschaft und Städte per Zufall generieren.

Jede Karte ist zugleich an diverse optionale Unterziele gekoppelt. Beispielsweise können Spieler der Deutschland-Map eine Strecke von Berlin nach Hamburg bauen oder einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen, um einen Bonus zu erlangen. Zum Erreichen des Endzieles – Eisenbahn-Tycoon zu werden – müssen diese Aufgaben jedoch nicht zwingend erfüllt werden. Zu guter Letzt bestimmt der Spieler noch das Anfangsjahr, die Anzahl der virtuellen Gegner sowie die allgemeine Schwierigkeitsstufe und den Streckenschwierigkeitsgrad. Diese bestimmen das Startkapital, Kosten für Investitionen und Erlöse bzw. inwiefern sich Züge gegenseitig blockieren.

Bahnhof, Schienen und Züge
Dann kann es aber auch wirklich losgehen, und zwar – logischerweise – mit einem Bahnhof, der in der nächstbesten Stadt platziert wird. Während der Spieler zu Beginn mit einem simplen Güter-Bahnhof vorlieb nehmen muss, können durch entsprechende Updates zu einem Bahnhof bzw. Endbahnhof recht bald auch größere Mengen Passagiere transportiert und Güter schneller be- und entladen werden.

Schritt zwei in Richtung Eisenbahn-Boss besteht im Ausbau eines Schienennetzes - denn ein einzelner Bahnhof macht noch keine Eisenbahnlinie. Das Verlegen der Gleise geht in „Sid Meier’s Railroads“ äußerst leicht von der Hand: Einfach die Maus vom Start- zum gewünschten Endbahnhof ziehen und fertig. Der Computer erledigt den Rest und passt die Schiene automatisch den geographischen Gegebenheiten an – baut also Tunnel oder Brücken. Signale oder Weichen werden ebenso automatisch platziert.

Wild drauf losbauen sollte man dennoch nicht, denn aufwändige Brückenkonstruktionen und kilometerlange Tunnel verschlingen freilich eine Menge Geld. Zudem birgen enge Kurven oder steile Abhänge ein Risiko für die Züge, die so leicht entgleisen können. Bei Punkt drei, dem Kauf eines Zuges, sollten daher anfallende Wartungskosten und die Zugkraft der Lokomotive bedacht werden. Individualisten können zudem jeden ihrer Züge nach Belieben einfärben und mit Logos versehen oder neue Skins aus dem Internet downloaden.

Angebot und Nachfrage
Sind mindestens zwei Bahnhöfe, ein Zug und dazugehörige Schienen vorhanden, darf mit dem Transport begonnen werden. Der beschränkt sich anfangs meist auf das Kutschieren von Passagieren und Post, wächst mit dem Erschließen neuer Industrien aber rasch zu einem regen Waren-Handel an. Praktischerweise zeigt jede Stadt per Mouse-Over sofort an, welche Waren angeboten werden und nach welchen verlangt wird.

Neue Industrien erschließen
Eine Anbindung von Holzfabriken (zur Gewinnung von Papier) oder beispielsweise Kohlebergwerken (zur Erzeugung von Stahl) an das Schienennetz macht sich daher schnell bezahlt. Mit dem Papier können schließlich Zeitungen gedruckt und mit dem Stahl Autos gebaut werden. Das Ausliefern der Waren ist dann wiederum ein Kinderspiel: Jeder Zug kann bis zu zehn Stationen anfahren. Mit wenigen Klicks legt der Spieler fest, mit welchen Gütern die einzelnen Bahnhöfe beliefert werden sollen.

Sollte die Konkurrenz bei regelmäßig stattfindenden Auktionen bereits wichtige Betriebe aufgekauft haben, können gegen bare Münze auch neue Industrien (Möbel, Brauerei, Vieh, etc.) geschaffen werden. Ersteigern lassen sich aber nicht nur Industriebetriebe, sondern auch Patente – beispielsweise prunkvollere Waggons, biegsamere Schienen oder eine Druckluftbremse. Alle Patente liegen zehn Jahre lang beim Käufer, gehen nach dieser Frist allerdings an die Konkurrenz über.

Blick auf die Börse
Damit sich die Gegner erst gar nicht einen entscheidenden Vorteil verschaffen kann, sollte der Spieler immer auch ein Auge auf den Aktienmarkt haben. Wer unliebsame Mitstreiter nämlich aus dem Weg räumen möchte, kauft die Konkurrenz einfach nach und nach auf. Als Inhaber sämtlicher Firmenanteile kann das Schienennetz des Gegners entweder übernommen oder aufgelassen werden – der Erlös fließt dann aufs eigene Konto.

In grafischer Hinsicht lebt "Sid Meier’s Railroads" von der Liebe zum Detail. Eine gewisse Ähnlichkeit zu "Civilization IV" lässt sich nicht leugnen, allerdings ist hier alles eine Spur lebendiger animiert. Auch der Sound kann voll und ganz überzeugen. Nicht nur, dass jede Lok fröhlich vor sich hin schnauft, auch jede Stadt verfügt über ihr charakteristisches Klangbild: Während in München Folklore angestimmt wird, ertönt in Wien ein Walzer.

Fazit: Es ist schon fast erschreckend, wie schnell die Zeit beim Spielen von "Sid Meier’s Railroads" vergeht: hier noch ein Bahnhof und da noch ein paar Gleise, und ehe man sich versieht, ist der halbe Tag verspielt. Das liegt nicht zuletzt auch am einfachen und unkomplizierten Handling des Spiels, welches vor allem Anfängern einen schnellen Einstieg ermöglicht. Lediglich bei komplizierteren Strecken hat der Spieler hin und wieder mit der Übersicht oder der Anbindung weiterer Schienen zu kämpfen. Alte Simulations-Hasen dürften aufgrund des einfachen Gameplays allerdings ein wenig die Herausforderung vermissen. Persönlicher Tipp: KI-Gegner ausschalten und einfach kreuz und quer drauflosbauen.

Plattform: PC
Publisher: Take2
Krone.at-Wertung: 87%

von Sebastian Räuchle

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