Ekelhafte Details
Italienische Spitäler total verdreckt
Der Journalist Fabrizio Gatti vom "L'Espresso" hatte den Stein in der vergangenen Woche ins Rollen gebracht. Er hatte sich als angeblicher Mitarbeiter einer Reinigungsfirma in die Poliklinik Umberto I. in Rom eingeschlichen, das größte öffentliche Krankenhaus des Landes. Die Fotografien, die er dort machte, sorgten für einen Skandal. Jetzt debattiert halb Italien über die Hygienemängel - und Gesundheitsministerin Livia Turco hat einen "Sonderplan für die Modernisierung der Krankenhäuser" angekündigt.
Hundekot im Korridor
In einem Korridor im Keller sah Gatti stinkenden Hundekot, der drei Tage lang nicht weggeputzt wurde. Ganz in der Nähe hatten sich Katzen eingenistet. Krankenpfleger schoben Patienten auf Liegen durch die Gänge, während sie gleichzeitig Zigaretten rauchten und den Kranken den Qualm ins Gesicht bliesen. Labore mit radioaktiven Substanzen waren unverschlossen, und zahlreiche Ärzte und Schwestern wurden auf der Straße auf dem Weg ins Café gesichtet - in der gleichen Kleidung und den gleichen Schuhen, die sie im OP tragen. Ministerin Turco sah sich bereits genötigt, das Krankenhauspersonal im ganzen Land aufzufordern, derartiges Fehlverhalten künftig zu unterlassen: "Sie müssen in einem funktionierenden Gesundheitssystem als Vorbilder dienen", erklärte sie.
Als erste Reaktion auf den Bericht ließ sie bereits 309 der insgesamt 679 Kliniken im Stiefel-Staat kontrollieren. Ergebnis: In der alten Poliklinik in Neapel wurden Ratten entdeckt, vor einem anderen Krankenhaus der kampanischen Metropole patrouillierten streunende Hunde, die Kranke und Besucher gefährlich anbellten. In Kellerteilen wurden Berge von Dreck und Abfällen gefunden, selbst gebrauchte Spritzen lagen in den Ecken. Ergebnis der Kontrollen: Im armen Süden des Landes ist die Situation weitaus schlimmer als im reichen Norden.
7.000 Tote jährlich wegen mangelnder Hygiene
Bis zu 7.000 Menschen sterben in Italien alljährlich als Folge mangelnder Hygiene in den Krankenhäusern. Bei weiteren 21.000 Todesfällen soll der Hygienemangel mitverantwortlich für die Entstehung von gefährlichen Infektionen gewesen sein, ergab eine Studie. Und noch eine erschreckende Zahl wurde bekannt: Zwischen 450 000 und 700 000 Menschen erkranken jedes Jahr in Krankenhäusern - 30 Prozent dieser Fälle seien aber vermeidbar, hieß es. In der Fachzeitschrift "International Journal of Infectious Diseases" hatte es zuvor geheißen, lediglich 40 Prozent der Ärzte und Krankenschwestern würden sich die Hände waschen, bevor sie mit Patienten in Berührung kommen.
"Jetzt reicht es mit den Kippen auf dem Boden und den Abfallsäcken im Keller", sagte Enrico Rossi von der Gesundheitsbehörde für die Regionen. Die Verantwortlichen müssten ihre Kontrollfunktion wieder ernst nehmen. "Und wer Fehler macht, der muss bezahlen."
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