Mo, 20. August 2018

Risse und Sichtungen

02.01.2018 21:31

Wölfe breiten sich bei uns immer mehr aus

Dass Wölfe Spuren hinterlassen, ist in Oberösterreich beinahe schon alltäglich. Allein 2017 haben "Meister Isegrims" nachweislich drei Schafe in Kirchberg ob der Donau, drei Schafe in Kaltenberg und ein Huhn in Bad Kreuzen gerissen. 9-mal konnten Wölfe hierzulande auch gesichtet werden. Die Grünen fordern nun einen runden Tisch, bei dem klare Regeln für den Umgang mit ihnen festgelegt werden.

"Wir brauchen ein Konzept zum Schutz von Weidetieren, zur Schadensabgeltung und zum Umgang mit Problemwölfen", sagt Maria Buchmayr, Landes- und Naturschutzssprecherin der Grünen. Sie wünscht sich dazu ehestmöglich einen runden Tisch mit Vertretern des Landes, des Jagd- und Naturschutzes, der Landwirtschaft und der Jägerschaft. Das Ziel aller sollte sein, für Rechtssicherheit und Aufklärung zu sorgen.
"Es ist erfreulich, dass sich die Wolfsbestände wieder erholen. Jetzt geht es darum, die weitere Verbreitung zu kontrollieren und ein sicheres Miteinander mit dem Menschen zu organisieren, um sowohl der Bevölkerung, den Landeigentümern, den Almbauern, der Jägerschaft und dem Wolf Schutz und Sicherheit zukommen zu lassen", erklärt Buchmayr.

Streng geschützt
Auch der heimische Wolfsbeauftragte Jörg Rauer, Forscher am Institut für Wildtierkunde der Veterinärmedizinischen Universität Wien, pflichtet bei, dass in Hinblick auf die steigende Wolfsausbreitung ein Management sinnvoll sei. "Man kann die Natur nicht völlig unreguliert schalten und walten lassen. Hier sind sicherlich Eingriffe nötig", betont der 60-Jährige. Wobei der Grundgedanke jedoch sein sollte, möglichst viel Natur zuzulassen. Er selbst steht dem Wolf neutral gegenüber: "Ich mache mich weder für noch gegen ihn stark, versuche nur Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man damit umgehen könnte."
Jeder Schritt müsse aber gut überlegt sein, sonst drohe ein EU-Vertragsverletzungsverfahren, so Rauer. Auf EU-Ebene sei der Wolf jedenfalls streng geschützt.
Laut Christopher Böck, Wildbiologe des Landesjagdverbandes, ist auch die Jägerschaft an einem runden Tisch interessiert.

"Man sollte sich  Gedanken machen"
Christopher Böck, Wildbiologe des Landesjagdverbandes, gilt als Befürworter davon, Wölfe nicht überall ansiedeln zu lassen.

"Krone":Was halten Sie von der Forderung der Grünen nach einem runden Tisch?
Christopher Böck: Es hat im Frühjahr 2017 schon einmal eine Zusammenkunft gegeben, bei der verschiedene Interessensgruppen ihre jeweiligen Positionen dargelegt haben.

"Krone": Ist dabei auch etwas herausgekommen?
Böck: Nein, vorerst hat es leider noch keine Ergebnisse gegeben. Es wäre daher durchaus sinnvoll, zu diesem Themenkomplex noch weitere runde Tische zu veranstalten.

"Krone": Wie steht der Landesjagdverband zum Wolf?
Böck: Grundsätzlich ist der Wolf nicht vom Aussterben bedroht. Es war nur so, dass er in einzelnen Ländern lange Zeit nicht mehr heimisch gewesen ist und die Bevölkerung daher keine Erfahrung im Umgang mit ihm hat.

"Krone": Sollte der Wolf wieder überall heimisch werden?
Böck: Ich denke, es wäre sinnvoll, sich Gedanken zu machen, wo es problemlos möglich wäre, Wölfe wieder ansiedeln zu lassen. Aber auch, wo sie eher vertrieben werden sollten - beispielsweise in Tourismusregionen oder stark landwirtschaftlich genutzten Gebieten.

Interview: Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

Der Wolf lässt selten jemand kalt
Das Thema Wolf lässt nur die Wenigsten kalt. Meist gehen die Emotionen rasch hoch. Auf der einen Seite gibt es fanatische Befürworter einer unregulierten Wiederansiedlung, auf der anderen kennt man wahre Hasser dieser Tierart, für die nur tote Wölfe gute Wölfe sind.
Dass der Wolf nicht "böse" ist, wie es bei Rotkäppchen heißt, wissen heutzutage auch Kinder. Doch ungefährlich sind Wölfe nicht, vor allem wenn sie in Rudeln auftreten. Wie ausgehungerte oder geschwächte Tiere beim Zusammentreffen mit Menschen oder Kindern reagieren, ist schwer vorherzusagen. Für Landwirte ist selbst der Verlust von Weidetieren emotional nicht locker wegzustecken.  JP

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