Fr, 26. April 2019
14.12.2017 16:47

Airline insolvent

Niki-Ticket gebucht? Was Sie jetzt tun können

Nach der Air-Berlin-Pleite im Herbst trifft es nun auch die Kunden der österreichischen Unternehmenstochter Niki: Seit Donnerstag sind bezahlte und schon ausgestellte Tickets nicht mehr gültig. Was die sofortige Einstellung des Flugbetriebs für die Kunden bedeutet - und was Sie mit ihren gebuchten Tickets noch tun können.

Rund 350.000 Einzeltickets wurden für Niki-Flüge, die noch nicht stattgefunden haben, bezahlt und ausgestellt. Hinzu kommen mehr als 410.000 über Reiseveranstalter und Reisebüros gebuchte Flugtickets, die in der Regel aber noch nicht ausgestellt wurden.

Wer über einen Reiseveranstalter gebucht hat, hat Glück: "Bei einer Pauschalreise hat der Reiseveranstalter für Ersatzflüge oder eine andere Beförderung zu sorgen", sagt AK-Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic. "Hier besteht im Gegensatz zu reinen Flugbuchungen eine Insolvenzabsicherung." Zgubic rät jedenfalls, "mit dem Reiseveranstalter Kontakt aufzunehmen".

"Fast alle Passagiere erhalten Geld zurück"
Wenn gebuchte Flüge nicht stattfinden, haben Reisende laut EU-Fluggastrechteverordnung prinzipiell zwar immer Anspruch auf Entschädigung oder Rückerstattung, wer sein Ticket selbst online bei Niki oder auf einem Reiseportal gekauft hat, ist in der Regel aber nicht versichert. Der Flugpreis kann nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Der am Mittwochabend eingesetzte Masseverwalter bei Niki hatte am Donnerstagnachmittag vorläufig eine gute Nachricht für betroffene Passagiere: "Fast alle Passagiere, die Flüge bei der insolventen Airline Niki gebucht haben, erhalten den gezahlten Flugpreis zurück oder werden umgebucht", so Insolvenzverwalter Lucas Flöther.

Rückholaktionen für Österreicher laufen
Wer bereits am Urlaubsort festsitzt, weil sein Rückflug gestrichen wurde, braucht derzeit gute Nerven. Auch hier sind Pauschalreisende klar im Vorteil: Sie werden vom jeweiligen Reiseveranstalter kostenlos zurückgeholt. "Die Kollegen in den Reisebüros arbeiten jetzt natürlich unter Hochdruck, um Lösungen zu finden", sagte Verkehrsbüro-Sprecherin Andrea Hansal am Donnerstag. Allerdings müssen auch die Kunden der Reiseveranstalter mit einer verspäteten Heimkehr rechnen.

Aktuell laufen Rückholaktionen für österreichische Passagiere. Mehrere Fluggesellschaften - darunter die Austrian Airlines - haben angekündigt, Betroffenen kurzfristig Sonderkonditionen für noch verfügbare Sitzplätze in Rückflügen anzubieten. Das Angebot gilt für Reisende, die ihren Flug selbst gebucht haben. Sie können sich an die Informationsschalter der Fluglinien an den Flughäfen oder an die Telefon-Hotlines wenden. An der Aktion nehmen Condor, Eurowings, Germania, TUIfly, die Lufthansa und ihre Töchter Austrian und Swiss teil.

AUA und Eurowings bieten Jobs an
Die 1000 Niki-Mitarbeiter stehen derzeit vor dem Aus, der Betriebsrat mahnt allerdings vorerst zur Ruhe. Vorsitzender Stefan Tankovits betonte am Donnerstag, die Arbeitsverträge seien weiter aufrecht und nur die Piloten und Flugbegleiter durch das Grounding quasi freigestellt. Die AUA hat unterdessen eine Joboffensive für die Niki-Mitarbeiter gestartet, auch Eurowings meldete Interesse an. "Ab sofort werden wir eine Vielzahl weiterer Stellen an unseren Standorten in Deutschland, aber auch in Österreich und Spanien anbieten", sagte Konzernchef Thorsten Dirks. Konkret werde Personal für die Stationen in Düsseldorf, Köln, Stuttgart, München, Wien, Salzburg und Palma de Mallorca gesucht, hieß es.

Video: Erste Gespräche mit Interessenten aufgenommen

Niki-Geschäftsführer Oliver Lackmann sagte am Donnerstag, es seien bereits erste Gespräche mit Interessenten geführt worden. Die Zeit drängt, der Zeitraum für eine Rettung "dürfte sehr kurz sein". Eine Einschätzung, wie die Chancen für eine Lösung stehen, gab Lackmann nicht ab. Die Gespräche seien "sehr dynamisch", meint er lediglich. Derzeit werde von Rechtsexperten geprüft, ob möglicherweise in Österreich ein Sekundärinsolvenzverfahren beantragt werde. Am späten Nachmittag gab Thomnas Cook bekannt, man erwäge den Kauf von Niki oder von Teilen der Airline.

Regierung prüft Finanzspritze
Die Stadt Wien würde, falls nicht doch noch eine Lösung für Niki gefunden wird, mit einer Insolvenzstiftung des "ArbeitnerhmerInnen Förderungsfonds" (waff) bereitstehen, so Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner (SPÖ). Die Betroffenen würden in diesem Fall etwa bei beruflichen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen unterstützt. Die noch wenige Tage amtierende Bundesregierung denkt offenbar über eine Finanzspritze für die insolvente Fluglinie nach: "Es gibt Überlegungen, mit Zwischenfinanzierungen etwas zu tun, aber das muss man noch konkret prüfen", sagte Verkehrsminister Jörg Leichtfried (SPÖ) im Ö1-"Mittagsjournal". Über die Höhe und die Rechtslage müsse man etwa noch nachdenken.

Kern: "Wollen Arbeitsplätze und Fluglinie retten"
Auch Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) strich die politischen Bemühungen um eine Rettung von Niki hervor: "Wir wollen, dass die Arbeitsplätze und die Fluglinie gerettet werden", sagte Kern beim EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel. An sich sei Niki "ein überlebensfähiges Unternehmen", so Kern. Die Bundesregierung stehe zu Beratungen auch am Wochenende zur Verfügung. Gleichzeitig betonte Kern, es werde "keine schnelle Lösung" geben. Jetzt gehe es einmal darum, eine Skizze zu haben, dann werde man sehen, ob es möglich sei, das Unternehmen aufzufangen. Um die Fluggäste wolle man sich auf jeden Fall kümmern. Die Regierung sei im Gespräch mit dem Masseverwalter und der EU-Kommission.

Michaela Braune
Michaela Braune

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