38 Verletzte:

Chlorgas-Unfall durch Leck

Kleine Ursache, große Wirkung! Beim Abladen von Hydrochlorid, einer Salzsäurelösung, gab es Mittwoch kurz vor 8 Uhr früh in der Agrana Stärkefabrik in Aschach/Donau ein Leck. In der Chemikalienhalle bildete sich Chlorgas. Die Anlage wurde sofort evakuiert, 250 Mitarbeiter mussten flüchten. Letztlich gab es 37 Verletzte, sechs davon waren schwerer betroffen.

Um 7.40 Uhr früh passierte das Unglück: Beim Umpumpen von Chemikalien aus einem Eisenbahnwaggon in einen Tank trat Hydrochlorid aus, es bildete sich Chlorgas. Vermutlich hatte es ein Leck gegeben.

250 Arbeiter waren im Werk
Die Betriebsleitung der Agrana ließ sofort den Standort evakuieren. "Wir haben gerade Stillstandswoche, führen Wartungs- und Revisionsarbeiten durch. Deshalb befand sich mehr Personal als sonst am Areal, auch Mitarbeiter von Fremdfirmen, insgesamt waren es  250 Personen", berichtete Standortleiter Nobert Harringer. Ein unmittelbar daneben liegender Einkaufsmarkt wurde vorübergehend geschlossen.


Meist waren Atemwege sehr stark gereizt
Es kam zu einem Großeinsatz von Rettung und Feuerwehr. 38 Personen wurden verletzt, sechs davon schwer. "Die Symptome waren Reizung der Atemwege, Hustenattacken, Druck in der Brust, zum Teil Kreislaufkollaps und Übelkeit", erklärte der Leitende Oberarzt Walter Mitterndorfer. Beim Großteil der Verletzten handelte es sich laut Polizei übrigens um Agrana-Mitarbeiter.


20 Rettungswagen und zwei Hubschrauber
Das Rote Kreuz und der Arbeiter Samariter Bund waren mit 60 Sanitätern, acht praktischen Ärzten, 20 Rettungswagen, vier Notarztfahrzeugen und zwei Hubschraubern im Einsatz. Auch psychologische Hilfe rückte an. Die 38 Verletzten wurden auf die Spitälern in Grieskirchen,  Wels und die Barmherzigen Schwestern in Linz aufgeteilt. Claus Hager von den Barmherzigen Schwestern: "Wir hatten 23 Aufnahmen, zwei davon sind zur Überwachung auf der internen Intensivstation gelandet, der Rest wurde ambulant behandelt."

Für die Feuerwehren war es  "Schutzstufe 3"
Die Feuerwehr wurde um 7.54 Uhr zu einem "technischer Einsatz, klein, mit Salzsäureaustritt" alarmiert, wie Einsatzleiter und Vize-Kommandant Andreas Moser von der FF Aschach berichtet: "Wir haben alles großräumig abgesperrt, das Gefährliche Stoffe Fahrzeug GSF von der Welser Feuerwehr angefordert. Drei Leute sind mit Schutzanzügen der Schutzstufe 3 hinein und haben die Lage erkundet. Letztlich hat es sich nur um einen kleinen, lokalen Austritt von Säure beim Verladen gehandelt. Wir mussten nichts abdichten. Es war nur eine kleine Pfütze, kein Springbrunnen voller Salzsäure."

Agrana-Standort gibt es in Aschach seit 1936
Seit 1936 wird in Aschach Stärke produziert. Das Werk wurde heuer, wie berichtet, ausgebaut. Pro Jahr werden  mehr als 500.000 Tonnen Mais verarbeitet. Weltweit betreibt Agrana 55 Standorte, 8600 Mitarbeiter erwirtschaften 2,6 Milliarden Euro Konzernumsatz.

Walter Mitterndorfer (58) war als Leitender Oberarzt in Aschach. Er blieb gelassen, hat auch schon Einsätze bei Zug- und Busunfällen erlebt.

"Krone": Welche Symptome hatten die Chlorgas-Opfer?
Walter Mitterndorfer:Die Diagnosen waren Reizungen der Atemwege, starke Hustenanfälle und Kreislaufprobleme. Einige haben auch über Druck in der Brust und Übelkeit geklagt.

"Krone": Was passierte mit den 38 Patienten?
Mitterndorfer: Sechs Personen sind aufgrund der Schwere ihrer Atembeschwerden mit den Notarztfahrzeugen und den beiden Hubschraubern in die Spitälern gebracht worden, die anderen mit den Rettungswagen. Die Patienten wurden auf Grieskirchen, Wels und Linz aufgeteilt.

"Krone": Haben Sie so einen großen Einsatz schon einmal erlebt?
Mitterndorfer: Ich habe dreißig Jahre  im Notarzteinsatz hinter mir, da kann einen so leicht nichts mehr erschüttern. Ich war als dienstführender Notarzt bei drei Zugsunglücken und auch bei mehreren Busunfällen.

"Krone": Was machen Sie im "normalen" Berufsleben?
Mitterndorfer: Ich bin Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Linzer Universitätsklinikum.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Oberösterreich

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen