08.11.2017 15:58 |

Neues Uni-Labor

Bohrkerne "erzählen" von Erdbeben und Fluten

Wer einen zwei Meter langen Bohrkern in Händen hält, hat oft mehrere Jahrtausende Erdgeschichte vor sich: Im nun eröffneten Bohrkern-Labor an der Universität Innsbruck stehen nun drei Hochleistungsscanner, die historische Fluten oder Erdbeben sichtbar machen und Prognosen für die Zukunft erhoffen lassen.

Am 1. November 1755 traf ein gewaltiges Erdbeben (Stärke 8,5 bis 9) Portugals Hauptstadt Lissabon. Obwohl in Tirol keine Erschütterungen zu spüren waren, sind Verwerfungen in Sedimenten des Hechtsees bei Kufstein festzustellen.

Hechtsee mit Spuren des Lissabon-Bebens

"Dieses Phänomen ist noch ungeklärt, mit Bodenbewegungen kann es aufgrund der weiten Entfernung zu Lissabon eigentlich nichts zu tun haben", erklärt Geologe Michael Strasser, der das neue Bohrkern-Labor leitet. Drei hochmoderne Scanner fertigen detaillierte Fotos der röhrenförmigen Sedimentproben an, messen deren Dichte, die Magnetisierbarkeit des Materials usw. "Auch alle enthaltenen Elemente können erfasst werden, von Aluminium bis Uran", erklärt der Wissenschaftler.

Irgendwann Prognosen zu Erdbeben ermöglichen

Weiter ist man bereits mit Analysen von Bohrkernen vom Grund des Millstätter Sees (Kärnten). Dabei wurde u. a. jenes Erdbeben sichtbar, das 1348 am Dobratsch einen Bergsturz auslöste. In Tirol ist neben Bohrkernen aus dem Brenner Basistunnel und dem Hechtsee auch der Achensee im Visier der Forscher. Ziel: Im weltweiten Wissenschaftsverbund sollen Bohrkern-Analysen dazu beitragen, künftige Erdbeben irgendwann prognostizierbar zu machen.

Andreas Moser, Kronen Zeitung

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