Über das Tabuthema sexuelle Belästigung wird derzeit - wieder einmal - weltweit diskutiert. Wie sieht es damit am Arbeitsplatz aus? Die oö. Gleichbehandlungsanwältin Monika Achleitner weiß, dass Frauen oftmals erst nach der Kündigung ihre Quäler zur Rechenschaft ziehen, vorher jedoch aus Job-Angst schweigen.
"Krone": Weswegen wenden sich Frauen an die Gleichbehandlungsanwaltschaft?
Monika Achleitner: Schon hauptsächlich wegen sexueller Belästigung. Wir haben aber verschiedenste Felder, wie Beendigung eines Arbeitsverhältnisses, beruflicher Aufstiege und so weiter. Im Jahr 2014 haben wir 484 Anfragen und Beratungen gehabt, davon betrafen 17 Prozent sexuelle Belästigung, im Jahr 2015 waren es 404 Beratungen und 22 Prozent Belästigung.
"Krone": Sie sind seit 2005 Gleichbehandlungsanwältin. Was sind Ihre Erfahrungen bei diesem heiklen Thema?
Achleitner: Frauen kommen zu uns, um endlich einmal ernst genommen zu werden und um sich in einem geschützten Raum beraten zu lassen. Meine Erfahrung ist, dass die meisten erst dann wirklich etwas unternehmen wollen, wenn das Dienstverhältnis vorbei ist. Entweder, weil sie selbst gekündigt haben oder weil sie gekündigt wurden, weil ihre Arbeitsleistung durch den ständigen Druck so gesunken war. Oftmals gehört ein langer Krankenstand dazu.
"Krone": Aber wann wehren sich die Frauen dann tatsächlich?
Achleitner: Meistens nach einem bis eineinhalb Jahren. Das liegt daran, dass sexuelle Belästigung oft ein traumatisches Erlebnis ist, die Frauen Zeit zum Verarbeiten brauchen. Sie kommen, weil sie wollen, dass so etwas nicht noch einmal passiert.
"Krone": Wie sieht es mit den Entschädigungen aus?
Achleitner: Im Gesetz ist ein Mindestschadenersatz für sexuelle Belästigung in Höhe von 1000 Euro vorgesehen, nach oben hin ist das Strafmaß offen. Die höchste Summe, die ich bisher erreicht habe, waren 75.000 Euro. Dabei ging es um massive Übergriffe mit Handgreiflichkeiten. Die betroffene Frau war so arm, sie hat darauf mit einem sehr schmerzhaften Nesselausschlag reagiert.
"Krone": Den Opfern geht es aber vorrangig nicht um Geld.
Achleitner: Nein, sie wollen vor allem eine Entschuldigung.
Christoph Gantner, Kronen Zeitung









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