Verhaltene Gefühle sind durchaus im Sinne Tschechows, der eine satte Gesellschaft zeigt, die an innerer Leere leidet. Das passt ins Heute. In „Onkel Wanja“ am Linzer Landestheater tragen die Schauspieler denn auch weiße Tennisschuhe. Die Lähmung, die die Familie auf dem Landgut einholt, kommt einerseits daher, dass ein alter Professor, der mit einer jungen Frau verheiratet ist, alle am finanziellen Gängelband hat. Andererseits erlaubt sich niemand Liebesbeziehungen. Als Konversationsstück verlangt „Onkel Wanja“ scharfe Konturen im Schauspiel, was nicht immer erreicht wird.
Sven-Christian Habich gibt sich als Professor ein wenig hypochondrisch, ein wenig patriarchalisch und ein wenig als gehörnter Ehemann. Alles noch immer zu wenig, um Spannung zwischen den Generationen aufkommen zu lassen. Katharina Solzbacher als Tochter Sonja entwickelt sich - schauspielerisch voll Energie - zur reifen, fordernden Frau. Ihre Kontrahentin Elena, gespielt von Julia Ribbeck, bleibt die wohlüberlegte junge Gattin, die im Alten einfach die bessere Partie sieht. Georg Bonn als verknallter Naturfreak und Arzt darf vor allem in den letzten Szenen Gefühle und Aggressionen zeigen. Thomas Bammer ist ein glanzloser Wanja mit geringem Zynismus.
Sehr gelungen übrigens das Bühnenbild von Georg Müller: ein Haus, das einfach abhebt.
Nächste Vorstellungen: 19., 22., 30. 12.
Foto: Norbert Artner
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