So, 23. September 2018

Experte warnt:

27.09.2017 06:05

"Kinder nie mit Hunden alleine lassen"

Nach der Bissattacke durch den Rottweiler des Großvaters in Königswiesen liegt die neunjährige Jennifer auf der Intensivstation des MedCampus IV. der Linzer Uniklinik. Die Polizei ermittelt gegen ihren Opa wegen fahrlässiger Körperverletzung. Ein Hundeexperte warnt davor, Kinder ohne Aufsicht mit Hunden spielen zu lassen.

Der dramatische Vorfall hatte sich, wie berichtet, am Montag gegen 18.20 Uhr vor dem Ferienhaus der Großeltern in Königswiesen zugetragen. Jennifer hatte dort alleine mit dem zweijährigen Rottweiler Wotan des Opas gespielt. Plötzlich war das Tier auf das Kind losgegangen, biss es in Arme und Beine. "Eine Nachbarin hat Schreie gehört und erkannt, was los ist. Sie ist sofort hingerannt. Der Hund hat dann vom Mädchen abgelassen", sagt Fulya Öncel von der Landespolizeidirektion.
Die schwer verletzte Neunjährige wurde mit dem Helikopter in die Uniklinik Linz geflogen und operiert. "Sie liegt auf der Intensivstation, aktuell besteht keine Lebensgefahr", sagt Klaus Schmitt, Vorstand der Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde - siehe auch unser Interview.

Opa wird angezeigt
Die Polizei hat den Großvater nun wegen fahrlässiger Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft Linz angezeigt. Wotan, dessen Besitzer ihren Hauptwohnsitz in Wien haben, wird veterinärmedizinisch untersucht.
Für den Hundeexperten Roland Raske (62) ist völlig unverständlich, dass die Großeltern die Neunjährige alleine mit dem Rottweiler spielen ließen. "Das ist unverantwortlich, ein Hund ist ein domestiziertes Raubtier, das schneller reagiert, als der Mensch denken kann." Wenn das Kind beispielsweise beim Spielen vom Hund wegläuft, werde es möglicherweise zur Beute. "Er will es dann festhalten - und selbst wenn er keine böse Absicht hat, sind Zähne im Spiel." Bei großen Hunden falle das meist dramatisch aus. Raske: "Die Verantwortung dafür liegt aber in jedem Fall beim Menschen."

"Infektionsgefahr nach Biss ist groß"
Klaus Schmitt steht der Klinik für Kinderheilkunde im MedCampus IV. vor. Er erklärt die speziellen Anforderungen nach Hundebissen.

Krone: Mit welchen Problemen ist man als Mediziner bei der Behandlung von Hundebissopfern konfrontiert?
Klaus Schmitt: Das hängt natürlich ganz davon ab, welche Körperstelle gebissen wurde. Dabei können Gefäße, Nerven oder Knochen verletzt sein. Das zerstörte Gewebe muss entfernt, die Wunde gesäubert werden. Wenn das Gesicht betroffen ist, sind zusätzlich kosmetische Eingriffe nötig. Hundezähne machen auch nicht so glatte Verletzungen wie es etwa bei einem Messerstich der Fall ist.

Krone: Hunde haben im Maulbereich zahlreiche Keime.
Schmitt: Die Gefahr von bakteriellen Infektionen ist dadurch sehr groß.

Krone: Was ist mit der psychologischen Komponente?
Schmitt: Hundebisse können für die Opfer ziemlich traumatisch sein, das gehört dann unbedingt aufgearbeitet. Bei ganz kleinen Kindern ist das meist nicht so gravierend wie bei älteren.

Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

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