Mi, 19. September 2018

Mäderl fast getötet

13.09.2017 17:58

Baby-Drama ungesühnt

Was sich die Kärntner Justiz da geleistet hat, scheint unfassbar: Ein Baby, ein kleines Mäderl, nur wenige Monate alt, wird mit gezählten 35 Knochenbrüchen und schwersten Kopfverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert - doch niemand ist daran schuld. Der Akt zu dem traumatischen Fall wurde mittlerweile endgültig geschlossen; auch wenn Justizminister Wolfgang Brandstetter einst noch versprochen hatte, sich der Sache anzunehmen

Der Reihe nach. Ärzte im ELKI Klagenfurt schlugen Alarm: Ein Baby war misshandelt worden. Massiv. Brutal. Mit lebenslangen Folgen. Die Ermittlungen begannen. Als Täter kamen nur die Eltern in Frage. Das Verfahren gegen die Mutter wurde eingestellt, der Vater angeklagt - und vom Gericht freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft akzeptierte dies; die Causa ist abgeschlossen. Sprecher Markus Kitz: "Es ist natürlich unbefriedigend, weil der Fall ungeklärt bleibt."

Was hätte hier anders gemacht werden müssen?

Kärntens Kinder- und Jugendanwältin Astrid Liebhauser hat viele Vorschläge parat; die auch professionell von einer Expertenkommission ausgearbeitet wurden. Denn binnen zwei Jahren gab es in Kärnten sieben (!) schwerste Kindesmisshandlungen. Und alle sieben kamen in Familien vor, die im sozialen "Hochrisikobereich" anzusiedeln sind und die großteils dem Jugendamt bekannt waren. Liebhauser: "Was hierzulande leider fehlt, ist eine Fehlerkultur. Bei solchen tragischen Fällen müsste man zusammen sitzen und nachdenken, wie man solches Versagen verhindern kann. Das passiert leider kaum!"

Und dass der Aufholbedarf in Kärnten bei diesem sensiblen Thema generell groß ist, zeigt auch ein aktueller Prozess um ein weiteres misshandeltes Baby: Dem kleinen Jordan wurde der Oberschenkel gebrochen. Sein Vater wurde dafür zunächst freigesprochen, erhielt im zweiten Rechtsgang eine Geldstrafe, ehe das Oberlandesgericht Graz nun endlich durchgriff: ein Jahr Haft! Richterin Elisabeth Dieber: "Bei Gewalt gegen Kinder muss ein Zeichen gesetzt werden."

Kerstin Wassermann, Kärntner Krone

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