Buhrufe und Pfiffe

Eklat bei Trauerfeier für Ex-Diktator Pinochet

Ausland
12.12.2006 22:10
Mit einem militärischen Zeremoniell haben die chilenischen Streitkräfte Ex-Diktator Pinochet am Dienstag die letzte Ehre erwiesen. Wegen der ihm angelasteten Menschenrechtsverletzungen während seiner 17-jährigen Militärherrschaft hatte Präsidentin Bachelet Pinochet ein Staatsbegräbnis verweigert. Verteidigungsministerin Blanlot, die die Regierung in Santiago vertrat, wurde deshalb ausgepfiffen.

Die Missfallenskundgebungen für Blanlot übertönten teilweise den Gesang des Kirchenchors. Der Priester rief die 3.000 Angehörigen, Freunde und Vertreter des Militärs zur Ruhe auf. Viele Gottesdienstbesucher applaudierten, als Pinochets mit einer chilenischen Flagge geschmückter Sarg in den Innenhof der Offiziersschule getragen wurde. Nach dem Gottesdienst soll sein Leichnam an einem unbekannten Ort eingeäschert werden.

Seine Anhänger sehen in Pinochet den Retter des Landes vor dem Kommunismus. Mit seinem von den USA unterstützten Putsch hatte er 1973 den gewählten marxistischen Präsidenten Allende gestürzt. Während der bis 1990 dauernden Diktatur hatten Armee und Geheimpolizei etwa 3.000 Oppositionelle ermordet und fast 30.000 Menschen gefoltert. Pinochet musste sich für ihm angelasteten Taten auch nach der Rückkehr des lateinamerikanischen Landes 1990 zur Demokratie nie vor Gericht verantworten.

Vor dem Gottesdienst waren laut der Militärpolizei bis zu 60.000 Menschen am offenen Sarg Pinochets vorbei defiliert. Pinochets jüngster Sohn hatte der Regierung vorgeworfen, sie sei nicht zu einer Geste der Versöhnung gegenüber seinem Vater fähig. Präsidentin Bachelet hatte erklärt, dass viele Chilenen eine Ehrung Pinochet durch einen Staatsakt als Affront empfunden hätten. Pinochet war am Sonntag im Alter von 91 Jahren gestorben.

Es kam nie zum Prozess gegen Pinochet
Pinochet regierte Chile von 1973 bis 1990 als Chef einer Militärjunta mit eiserner Hand. Er stand bis zuletzt unter Hausarrest, nachdem gegen ihn Anklage wegen Entführung und Ermordung von zwei Leibwächtern des von ihm gestürzten Präsidenten Allende erhoben wurde. Gegen den Ex-Machthaber liefen weitere Verfahren wegen Verstößen gegen die Menschenrechte sowie wegen Steuerbetrugs. Auf Grund seines schlechten Gesundheitszustands kam es jedoch nie zu einem Prozess.

Zu seinem 91. Geburtstag am 25. November hatte Pinochet erstmals die "volle Verantwortung" für die Menschenrechtsverletzungen seiner Junta übernommen. Zugleich verteidigte er den Militärputsch zum Sturz des Sozialisten Allende. Damit sei einzig und allein das Ziel verfolgt worden, den Zerfall Chiles zu verhindern, ließ Pinochet erklären.

Die amtliche Zahl der während der Militärherrschaft umgekommenen Oppositionellen beträgt über 3.100, Menschenrechtsgruppen setzen sie jedoch weitaus höher an. Tausende wurden willkürlich inhaftiert, gefoltert oder ins Exil gezwungen, darunter die heutige chilenische Präsidentin Michelle Bachelet.

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