Der Fall Litwinenko

“Polonium-Spur” absichtlich gelegt?

Ausland
12.12.2006 08:28
Der deutsche Strahlenexperte Sebastian Pflugbeil schließt nach den neuen Polonium-Funden in der Litwinenko-Affäre nicht aus, dass der oder die Täter das Polonium bewusst verstreut haben. "Wenn man Polonium in einer gut verschlossenen Flasche hat, kann man es sauber transportieren und muss nicht eine solche Dreckspur hinterlassen", sagte der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz.

"Entweder handelt es sich bei den Tätern um Dilettanten oder - und das würde ich auch für möglich halten - die Spur ist absichtlich gelegt worden, um den Verdacht in eine bestimmte Richtung zu lenken", erklärte Pflugbeil.

Es gebe wesentlich unauffälligere Methoden jemanden umzubringen. Mordanschläge auf abtrünnige Geheimdienstleute gebe es in aller Welt. "Was hier aber auffällt, ist die Art und Weise: Geheimdienstleute sind normalerweise darin geschult, Leute umzubringen, ohne Spuren zu hinterlassen. Und hier ist geradezu eine Autobahn nach Moskau ausgewalzt worden." Man habe das Spektakel gewollt, sagte Pflugbeil. 

Entwarnung für Ex-Frau von Litwinenko-Kontaktmann
In der Giftmordaffäre um den russischen Ex-Spion sind unterdessen vier Menschen aus dem Hamburger Umfeld seines Kontaktmanns Dmitri Kowtun offenbar doch nicht verstrahlt worden. Die Ex-Frau Kowtuns, ihr Lebensgefährte sowie zwei Kinder seien lediglich zur Vorsorge ins Spital gebracht worden, erklärte das Bundesamt für Strahlenschutz. Kowtun ist auf ungeklärte Weise in den Mord verstrickt.

Der russische Geschäftsmann hatte unter anderem in der Wohnung seiner Ex-Frau in Hamburg übernachtet, bevor er am 1. November zu einem Treffen mit Litwinenko nach London flog. Die Polizei entdeckte unter anderem auf einem Sofa in der Hamburger Wohnung Spuren von Polonium 210. Die Ermittler gehen davon aus, dass Kowtun das Gift bei seiner Ankunft in Hamburg am 28. Oktober mit einem Flug aus Moskau im Körper hatte. 

Unterdessen wartet die Hamburger Sonderkommission "Dritter Mann" weiter auf Kontakte zu den russischen Behörden, die sich bisher nicht zu Fragen nach dem Aufenthaltsort und dem Gesundheitszustand Kowtuns geäußert haben.  

Schlüsselzeuge befragt
"Bei Kowtun gehen wir davon aus, dass er das Polonium (bei seiner Ankunft in Hamburg am 28. Oktober mit einem Flug von Moskau) im Körper hatte", sagte ein Ermittler. Britische und russische Ermittler befragten am Montag in Moskau drei Stunden lang den Schlüsselzeugen in der Affäre, Andrej Lugowoi. Der Ex-Geheimdienstler sagte danach, er sei als Zeuge befragt worden. 

Lugowoi hatte am 1. November das Treffen in London organisiert, bei dem Litwinenko mutmaßlich mit dem radioaktiven Polonium 210 vergiftet wurde. Drei Wochen später war er tot. Lugowoi und Kowtun, der dritte Mann bei dem Treffen, sind selber verstrahlt und werden in einer Moskauer Klinik behandelt. 

Polonium 210
 
Polonium 210 ist außerhalb des Körpers relativ ungefährlich, kann jedoch Krebs verursachen oder zu schweren Schäden an Organen führen, wenn es über eine Wunde, die Nahrung oder die Atmung in den Körper aufgenommen wird.

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