Greiner in Indien

“Auf der Autobahn kamen uns Elefanten entgegen”

Oberösterreich
07.08.2017 11:00

Er steht auf, geht zur Flipchart, um eine indische Autobahn aufzumalen: Axel Kühner zeichnet eine Straße mit einer Kreuzung und zeigt, dass es normal ist, als Geisterfahrer unterwegs zu sein. "Das ist eine völlig andere Welt", so der Greiner-Chef. Eine Welt, in der der Kunststoffverarbeiter aus Kremsmünster erste Schritte macht. Die "Krone" traf Kühner zum Interview.

"Krone": Herr Kühner, die Greiner-Gruppe hat vor etwa einem Jahr das Sagen in einem Verpackungsunternehmen für die Molkereiindustrie in Neu Delhi übernommen. Warum wurde der Schritt gewagt?
Axel Kühner: Indien ist noch ein relativ kleiner Markt für Verpackungen, obwohl Indien  der größte Molkereimarkt der Welt ist - das hört sich verrückt an. Aber dort ist ein Großteil der Produkte gar nicht verpackt, Joghurt wird mit einer Schöpfkelle in große Gefäße gegeben.

"Krone": Eine Investition in die Zukunft also?
Kühner: Ja. Die großen Handelsketten bereiten sich bereits auf den Markteintritt vor.

"Krone": Was tun Sie jetzt dort?
Kühner: Derzeit geht es darum, das alles zu verstehen: Wie tickt der Markt, der Kunde, die Industrie? Wir schützen das kleine Pflänzchen und lassen es gedeihen.


"Krone": Indien soll 2025 das bevölkerungsreichste Land der Erde sein. Ihre Eindrücke?
Kühner: 75 Prozent der Bevölkerung leben von weniger als zwei Dollar pro Tag. Aber es gibt auch 80 Millionen Haushalte, die wie bei uns sind. Es ist ein Land der extremen Gegensätze.  Das muss man erlebt haben, um es zu verstehen. Ich glaube an ein Riesenpotenzial.

"Krone": Wann waren Sie zum ersten Mal in Indien?
Kühner: 2010. Wir waren schon vor Jahren  unterwegs. Für 150 Kilometer haben wir fünf Stunden benötigt.  Wir vom Management waren mit einem Bus unterwegs und darin herrschte Totenstille. Auf der Autobahn sind uns zum Beispiel Elefanten entgegengekommen. Der Verkehr dort ist einzigartig.

"Krone": Ihr Blick in die Zukunft?
Kühner: Wir haben in Indien für die nächsten 20 Jahre genug zu tun. Die Infrastruktur ist das große Hindernis.

Interview: Barbara Kneidinger, Kronen Zeitung

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