24.11.2006 16:24 |

Konjunktur brummt

Euro erstmals seit April 2005 über 1,30 Dollar

Spekulationen auf weiter steigende Zinsen in der Euro-Zone haben am Freitag den Euro über die Marke von 1,30 Dollar katapultiert. "Die Leute waren zu optimistisch für den Dollar und wollen nun noch vor Jahresende ihre Positionen abbauen", sagte Postbank-Händler Andrea Spiniello. Der Konjunkturmotor in der Euro-Zone brumme, während sich in den USA das Wachstum verlangsame.

Der von der Europäischen Zentralbank (EZB) ermittelte Referenzwert stieg um mehr als einen US-Cent von 1,2953 Dollar am Vortag auf 1,3087 Dollar und notierte damit so hoch wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr. "Endlich ist der Euro aus seiner Range ausgebrochen", sagte ein Händler erleichtert.

Seit Monaten hatte sich die Gemeinschaftswährung in einer sehr engen Spanne von wenigen Cent von 1,25 bis 1,29 Dollar bewegt. Die wenigen Ausflüge über 1,29 Dollar waren immer nur von kurzer Dauer gewesen, ehe der Euro wieder den Rückwärtsgang einlegte. Am Vortag hatte dann der überraschende Anstieg des Ifo-Geschäftsklimaindex in Deutschland den nun offenbar nachhaltigeren Ausbruch ausgelöst.

Händler begründen den Euro-Kursanstieg auch mit der schrumpfenden Zinsdifferenz zum Dollar. Eine Zinserhöhung im Dezember um 25 Basispunkte auf dann 3,5 Prozent in der Euro-Zone gilt an den Finanzmärkten als so gut wie sicher. Viele Analysten gehen inzwischen von einer Fortsetzung der Zinserhöhungspolitik in der Euro-Zone im nächsten Jahr aus.

Umgekehrt rechnen die meisten Analysten für 2007 mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den USA. Dies dürfte die US-Notenbank (Fed) dann zu Zinssenkungen veranlassen. Derzeit stehen die Zinsen in den USA bei 5,25 Prozent. Die Renditen an den US-Kreditmärkten sind aber schon seit Wochen auf dem Rückmarsch.