Genüsslich metzeln

Dark Messiah of Might and Magic

Spiele
21.11.2006 08:48
Ältere Semester erinnern sich vielleicht noch an die Fantasy-Egoshooter "Hexen" oder "Heretic". Auch in "Dark Messiah of Might and Magic" darf den Unholden mit stählerner Klinge und magischen Feuerbällen auf den Pelz gerückt werden...

Mittlerweile dürfte sich herumgesprochen haben, dass "Dark Messiah" wenig bis gar nichts mit den üblichen "Might and Magic"-Titeln zu tun hat. Statt tief gehendem Rollenspiel oder von langer Hand strategisch geplanten Feldzügen wird hier knallharte Action-Kost aus der Ego-Perspektive geboten.

Held der Geschichte ist Sareth, der von seinem Meister Phenrig zum befreundeten Magier Menelag nach Steinhelm entsandt wird, um mit diesem den verlorenen Schädel der Schatten zu finden. Dabei behilflich ist ihm die reizende Xana, die sich mit einem kleinen Kniff in das Gehirn des Protagonisten teleportiert, um ihm von dort mit verführerisch gehauchter Stimme - wie Susi aus dem Herzblatt-Studio - kluge Ratschläge zu geben.

Die hat Sareth auch bitter nötig, gerät doch bereits bei seiner Ankunft in Steinhelm alles aus den Fugen. In einem Moment sitzt er noch fest im Sattel seines Pferdes und bittet die Stadtwache um Einlass, im nächsten Augenblick reißt ihn ein riesiger herabfallender Steinbrocken vom Pferd. In letzter Sekunde kann ihn die Wache ins Innere der Burg schleifen. Doch auch hier keine Spur von Entspannung: Ein gigantischer Zyklop greift die Stadt an. Hastig retten wir uns über Burgzinnen, wehren ein paar Ghule ab und ergreifen schließlich eine Ballista, um das Monstrum mit ein paar gezielten Schüssen zur Hölle zu schicken.

Auch danach bleibt keine Zeit zum Däumchendrehen, doch glücklicherweise ist die Steuerung recht einfach gehalten: W, A, S und D dienen der Fortbewegung, mit E wird interagiert, mit F teilt man Tritte aus. Mit der linken Maus-Taste wird hingegen zugeschlagen oder gezaubert, mit der rechten geblockt. Die kreative Mischung aus Schlagen, Zaubern und Treten erlaubt es nun, die zahlreichen Gegner auf mannigfaltige Art und Weise über den Jordan zu schicken.

So können die Widersacher nicht nur mit Klinge oder Pfeil & Bogen niedergestreckt werden, auch magische Feuerpfeile, explodierende Feuerfallen und eine Vielzahl von Zaubersprüchen stehen zur Auswahl. Doch es geht auch indirekter: Ein Tritt in lodernde Flammen oder tödliche Stacheln wirkt beispielsweise Wunder. Auch lassen sich morsche Pfeiler zum Einsturz bringen, um darunterstehende Gegner zu zerquetschen. Wem das nicht reicht, der greift auf Kisten, Steine oder Flaschen als Wurfgeschosse zurück. 

Zu verdanken hat der Spieler dieses interaktive Vergnügen einer erweiterten Half-Life-Engine, mit der sich quasi alles in seine Einzelteile zerlegen lässt. Auch die sonstige Optik - ein starker Rechner vorausgesetzt - braucht sich nicht zu verstecken. Lediglich die Innenräume wirken stellenweise etwas kahl, ansonsten gibt es nette Effekte, schöne Weitsicht und abwechslungsreich gestaltete Landschaften. Auch der Sound, insbesondere die sehr gute deutsche Sprachausgabe, kann sich hören lassen: fein gesetzte Akzente untermalen die Dramatik der jeweiligen Situation.

Wer schließlich fleißig gemetzelt und ordentlich Blut vergossen hat, bekommt Fertigkeitspunkte, die auf Waffen-, Zauber- oder sonstige (Diebes-) Fertigkeiten verteilt werden dürfen. Daraus ergeben sich im Prinzip die drei Charakterklassen Kämpfer, Zauberer oder Dieb, wobei die Grenzen fließend sind. Allerdings ist es ratsam, sich auf möglichst eine Klasse festzulegen, zumal "Dark Messiah" ohnehin zum mehrmaligen Durchspielen einlädt, da es in den weitläufigen Szenarien immer wieder Neues zu entdecken gibt und unterschiedliche Lösungswege zum Ziel führen. Wer schließlich das Geheimnis um den Schädel der Schatten gelüftet hat, darf sich mit bis zu 32 Mitspielern im Multiplayer-Modus bekriegen. 

Fazit: Wem "Oblivion" zu langatmig ist, der wird mit "Dark Messiah" bestens bedient. Packende Action, aber auch eine gut erzählte Story zeichnen das alles andere als unblutige Metzel-Abenteuer aus. Hinzu kommen schmucke Grafik, guter Sound sowie eine überzeugende KI und Physik-Engine. Ein wenig frustrierend hingegen die mitunter unfairen Passagen, recht lange Ladezeiten sowie einige technische Aufhänger, die durch einen ersten Patch jedoch behoben zu sein scheinen. 

Plattform: PC
Publisher: Ubisoft
Krone.at-Wertung: 86%


von Sebastian Räuchle

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