Do, 13. Dezember 2018

Leichen an Bord

27.05.2017 10:35

Odyssee für Flüchtlinge und Retter wegen G7-Gipfel

Wegen des G7-Gipfels auf Sizilien haben überladene Schiffe mit über 2000 geretteten Migranten tagelang auf See bleiben müssen. Auf einem der Schiffe befanden sich ein nur eine Woche altes Baby und 34 Leichen, die bei einem Unglück vorige Woche aus dem Meer geborgen worden waren.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte am Donnerstag fast 1500 Menschen auf einem Schiff geborgen, das nach Angaben der Seenotretter eigentlich nur für 600 Platz hat. Unter ihnen waren 45 Kinder. Da Boote mit Flüchtlingen während des Gipfels der sieben großen Industriestaaten aus Sicherheitsgründen nicht in Sizilien anlegen durften, musste das Schiff bis nach Neapel fahren. Dort wird es für Sonntag erwartet, wie eine Sprecherin der Hilfsorganisation sagte.

Unter den Geretteten war auch ein nur eine Woche altes Baby. Es sei inakzeptabel, dass wegen des Treffens der Politiker das Leben so vieler Menschen gefährdet werde, heißt es in einer Mitteilung.

Schiff so voll wie selten, 34 Leichen an Bord
Auch ein Schiff der Hilfsorganisation MOAS (Migrant Offshore Aid Station) musste mit rund 560 Menschen an Bord einen Umweg fahren. Das Schiff sei so voll wie selten gewesen, twitterte MOAS. Es sei in Crotone in Kalabrien gelandet - mit 34 Leichen an Bord, die bei einem Unglück vorige Woche aus dem Meer geborgen worden waren.

Gipfelort gewählt, um auf Flüchtlingselend aufmerksam zu machen
Italien hatte Sizilien für den G7-Gipfel ausgewählt, um auf das Flüchtlingselend aufmerksam zu machen, jedoch gab es bei dem Treffen nur minimalen Konsens in der Frage. Aktivisten kritisierten deshalb die G7 wegen Untätigkeit in der Flüchtlingskrise. "Der Skandal des Gipfels ist, dass die G7-Führer direkt hier nach Sizilien ans Meer kommen, wo 1400 Menschen allein seit Jahresanfang ertrunken sind, und nichts ernsthaft dagegen tun", sagte Edmund Cairns von Oxfam.

Es müsse mehr Hilfe für Flüchtlinge und mehr Unterstützung für Entwicklungsländer geben, die allein 90 Prozent von ihnen beherbergten. Auch müssten sichere Wege für Zuwanderer geschaffen werden, forderte Cairns. Es sei "eine der größten Enttäuschungen des Gipfels", dass Italien mit seinem Plan für einen geordneten Umgang mit den Flüchtlingen am Widerstand der USA gescheitert sei.

Der Gastgeber habe die Welt daran erinnern wollen, dass Zuwanderer auch Vorteile für die Länder brächten, die sie aufnehmen. "Das scheint völlig vergessen worden zu sein." Die USA bestanden schon im Vorfeld des Gipfels darauf, dass die Initiative der Italiener gekippt wird.

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