29.04.2017 08:30 |

Kopftuch-Sager

Jetzt internationales Kopfschütteln über VdB!

Der Kopftuch-Sager von Bundespräsident Alexander Van der Bellen sorgt auch international für Aufregung. Von Deutschland über Großbritannien bis in den USA berichten Tageszeitungen über seinen Vorschlag, alle Frauen sollten aus Solidarität mit Musliminnen Kopftuch tragen. Eine Gruppe muslimischer Frauenrechtlerinnen schrieb zudem einen offenen Brief an Van der Bellen. Die Islam-Kritikerinnen, zu denen auch die streitbare Buchautorin Zana Ramadani zählt, sind der Ansicht, Österreichs Präsident habe den Islamisten mit seinen Aussagen einen "Bärendienst" erwiesen.

In Österreich hatte zuletzt FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vom Bundespräsidenten eine Entschuldigung für dessen Äußerungen gefordert. "Van der Bellen hat sich selbst und das Amt des Präsidenten schwer beschädigt", sagte Strache am Freitag in einem Video auf Facebook. Zudem warf er dem Staatsoberhaupt eine Verharmlosung des Nationalsozialismus vor. Schon zuvor hatte es teils massive Kritik an dem Kopftuch-Sager des Staatsoberhauptes gehagelt.

Strache im Video: "VdB hat das Amt schwer beschädigt"

Weltweites Medienecho
Aber nicht nur in Österreich sorgen die Äußerungen des Bundespräsidenten mittlerweile für heftiges Kopfschütteln. So berichten deutsche Blätter, darunter die "Bild"-Zeitung, die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Welt" seit Donnerstag über den Kopftuch-Sager und etwaige empörte Reaktionen. Britische Zeitungen wie zum Beispiel der "Independent" griffen das Thema am Freitag ebenfalls auf. Fazit: Positive Berichterstattung über Österreich und sein Staatsoberhaupt sieht anders aus.

So fragte etwa die "FAZ": "Ist nicht die freiheitlich-demokratische Grundordnung, die Männern wie Frauen alle Möglichkeiten eröffnet, inklusive Religionsfreiheit, die einzig angemessene Solidarität mit Menschen, die sich aus religiösen Gründen so oder so kleiden wollen?"

Und weiter: "Setzt diese Grundordnung religiösen Symbolen in gewissen Bereichen nicht aus gutem Grund Grenzen? Und wäre es nicht angemessener, wenn alle Männer, ob muslimisch oder nicht, für einen Tag Kopftuch oder Burka trügen aus Solidarität mit jenen Frauen, die solche Verhüllung nicht aus freien Stücken tragen?" Abschließend heißt es dann, dass es für Van der Bellens Vorschlag nur ein angemessenes Kleidungsstück gäbe: "den Mantel des Schweigens".

"Washington Post:" "Präsident von Aufregung überrascht"
Auch die "Washington Post" griff das Thema auf und berichtete über die Rücktrittsforderungen zahlreicher Österreicher in den sozialen Medien. Zudem hieß es in dem Artikel, dass auch viele rechte Websites in den USA die Debatte aufgegriffen hätten. "Der österreichische Präsident wurde von der öffentlichen Aufregung überrascht", schrieb die US-Zeitung und zitierte aus Van der Bellens Aussagen gegenüber Journalisten in Bratislava: "Wir sollten glücklich sein, wenn wir keine größeren Probleme haben als die Kopftuch-Frage."

Islam-Kritikerinnen: "Purer Sexismus"
Auch eine Gruppe von sieben einflussreichen Islam-Kritikerinnen zeigte sich in einem offenen Brief an Alexander Van der Bellen empört über dessen Kopftuch-Aussagen. Veröffentlicht wurde der offene Brief auf der Facebook-Seite der streitbaren Aktivistin Zana Ramadani, die sich in ihrem aktuellen Besteller-Buch "Die verschleierte Gefahr" - die "Krone" berichtete - für einen generelles Kopftuchverbot einsetzt.

"Wir, die Menschenrechtsaktivistinnen die aus rein islamischen Kulturkreisen kommen und aus diesen fliehen mussten, weil unser Leben bedroht war - wir den religiösen Zwang, die Unterdrückung und die Gewalt als Frauen nicht mehr ertragen konnten -, sind entrüstet über Ihre in unseren Augen naiven Aussagen bezüglich des Kopftuchs und des politischen Islams", heißt es in dem Brief.

Und weiter: "Viele von uns mussten unter dem gesetzlich verordneten Kopftuchzwang leben, andere unter dem Druck, dass das Kopftuch das Symbol für eine ehrbare und sittliche Frau ist. Daraus haben wir uns unter lebensbedrohlichen Umständen herausgekämpft."

Van der Bellen würde das Kopftuch als "ein Symbol der Freiheit" darstellen, obwohl es "für Geschlechter-Apartheid, Unterdrückung, Zwang und die Trennung zwischen einer sittlichen ehrbaren Frau und einer Hure" stünde, heißt es in dem Brief, der mittlerweile auch von internationalen Medien in voller Länge veröffentlicht wurde, weiter. "Dieser Kulturrelativismus, dieser pure Sexismus, den Ihre Aussagen bedeuten, ist für uns unerträglich."

Ramadani: "Genau so argumentieren Islamisten"
Ramadani zufolge werde der Kopftuch-Sager Van der Bellens auch in der arabischen Welt diskutiert. "Wenn schon der Bundespräsident eines westlichen Landes seine eigenen Frauen darum bittet, dann haben die muslimischen Frauen das Kopftuch erst recht zu tragen!", schreibt sie auf Facebook. "Genau so argumentieren Islamisten nämlich." Da habe "der Bundespräsident der Menschheit einen Bärendienst erwiesen! Danke!"

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