OÖ Stammtisch:

Vegan oder Fleisch sagt uns Bauch-Gefühl

"Besteht unser Schnitzel in Zukunft aus Pflanzen?" Diese provokante Frage stellte der OÖ Stammtisch von "OÖ-Krone" und ORF OÖ beim Wirt im Feld in Dietach - und es wurde heftig debattiert über das Für und Wider veganer Ernährung, die Zukunft der Fleischer und Bauern sowie über den Bauch als Entscheidungsträger.

Nur noch Stehplätze gab es im Wirt im Feld in Dietach bei Steyr, als um 20 Uhr der Oberösterreich Stammtisch live auf Sendung ging. Unter den Gästen im Publikum waren viele Landwirte und Fleischer, aber auch zahlreiche überzeugte Veganer und Tierschützer - die vielen Wortmeldungen zu koordinieren, war für die Moderatoren Harald Kalcher (Chefredakteur "OÖ-Krone") und Reinhard Waldenberger (Programmchef ORF OÖ) gar nicht so einfach! Gehör fanden aber natürlich auch die Experten am Podium.
"Ernährung zählt heutzutage zur Selbstoptimierung - was ich esse, sagt auch etwas über meine Persönlichkeit aus", wusste etwa IMAS-Meinungsforscher Paul Eiselsberg zu berichten. Er nannte auch die Motive für vegane Ernährung: "Persönliche Überzeugung ist da ganz oben, aber der gesundheitliche Aspekt holt stark auf." Beide sind gute Gründe für Felix Hnat, den Obmann der Veganen Gesellschaft Österreich: "Oberösterreich ist ein veganes Musterland! Zwei große Fleischverarbeiter-Betriebe bieten vegane Alternativen an und es wird viel Soja angebaut!" Das schmeckte dem veganen Leistungssportler und Koch, Dominik Hubmer: "Mein Trainer sagte immer, ohne tierisches Eiweiß geht es nicht. Ich habe das Gegenteil bewiesen."
Karl Grabmayr, selbst Milchbauer und Vize-Präsident der Landwirtschaftskammer, hat keine Angst, dass das Schnitzel in Zukunft pflanzlich sein wird, schließlich ist derzeit gerade einmal ein Prozent der Landsleute Veganer, aber: "Die Rahmenbedingungen für die Bauern werden nicht einfacher." Und Fleischer-Innungsmeister Willibald Mandl sorgte sich um die Qualität: "Die Fleischregale in den Supermärkten sind überladen, aber das regionale Handwerk kommt dabei viel zu kurz."
Regionale Produkte seien in allen Lebensmittelbereichen vorzuziehen, stimmte die Diätologin Gaby Harringer zu: "Sauerkraut statt Kiwi sollte das Motto sein." Elisabeth Rabeder vom Kurhaus Bad Mühllacken machte Veganern und Fleischtigern ein versöhnliches Angebot: "Meine lange Erfahrung sagt mir, dass man mit Teilzeit-Veganismus am besten fährt. Wir essen tatsächlich zu viel Tierisches, das Verhältnis sollte etwa 80 Prozent pflanzlich und 20 Prozent tierisch sein." Marathonläufer Hubmer fasste zusammen: "Vegan ist genausowenig automatisch gesund wie Ernährung mit Fleisch. Vielseitige Kost ist immer das Wichtigste. Dabei sollte man einfach seinen eigenen Weg gehen und auf das Bauch-Gefühl hören!"

Jasmin Gaderer, Kronen Zeitung

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