04.11.2006 18:07 |

Dramatische Rettung

Hundert Pferde aus Hochwasser gerettet

In einer dramatischen Aktion haben Helfer an der niederländischen Küste am Freitag eine seit Tagen von Hochwasser eingeschlossene Pferdeherde gerettet. Die etwa 100 Tiere folgten in einer langen Reihe mehreren Reitern durch das Wasser und erreichten schließlich den sicheren Deich. Ein Pferd verendete, etwa 20 der Tiere waren bereits in den vergangenen Tagen ertrunken.

Die Herde hatte jenseits eines Deiches bei der Ortschaft Marrum in der Provinz Friesland geweidet, als eine Sturmflut in der Nacht zum Mittwoch die Wiesen überschwemmte.

Die meisten Tiere konnten sich vor dem Hochwasser auf einen kleinen Hügel zurückziehen. Dort wurden sie mit Wasser und Futter versorgt. Mehrere Rettungsversuche waren in den vergangenen Tagen abgebrochen worden. So liefen Boote, mit denen die Armee die Pferde zum Deich bringen wollten, unter dem Gewicht der Tiere auf Grund.

Herde folgt vier "Locktieren"
Die Helfer entschieden daraufhin, ein Absinken des Wasserstandes abzuwarten, damit die Pferde aus eigener Kraft ihrer Zwangslage entkommen konnten. Am Freitagmittag war es soweit: Ein Tierarzt bescheinigte den Pferden bis auf wenige Ausnahmen einen kräftigen Zustand. Durch Messungen der Wassertiefe wurde ein günstiger Weg gefunden und mit Bändern abgesteckt. Taucher kontrollierten, dass der überschwemmte Boden frei von Zäunen, Drähten und anderen Hindernissen war. Dann ritten vier Reiter zu der Herde, ihre Pferde nutzten sie als "Locktiere".

Der Trick gelang: Die Herde schloss sich ihren Artgenossen an und stürmte durch die grauen Fluten auf den mehrere hundert Meter entfernten Deich zu. Deutlich zu erkennen war, wie sich die schwächeren Tiere am Ende des Zuges mit gesenktem Kopf nur noch mühsam vorwärts quälten. Ein Pferd blieb zunächst nur 30 Meter vor dem rettenden Deich im Wasser stehen. Doch mehreren Helfern gelang es, auch dieses Tier in Sicherheit zu bringen.

Die Rettungsaktion wurde live im niederländischen Fernsehen übertragen. Reporter und Zuschauer mussten einigen Abstand halten, damit die gestressten Pferde nicht noch nervöser wurden. Kritik gab es an dem Besitzer der Herde und an den Naturschützern von "It Fryske Gea". Der Organisation gehört die Wiese, auf der die Pferde vom Hochwasser überrascht worden waren. Der Besitzer habe es versäumt, die Pferde rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, obwohl der Wetterdienst vor Sturm und Hochwasser gewarnt habe.