13.02.2017 16:50 |

Familie attackiert

Die "kranke Welt" des 36-jährigen Messermörders

Stämmig, ein mürrischer Blick in die Kamera, schwarzes Shirt, schwarze Kappe: Milan A. kommt kein Lächeln über die Lippen beim letzten, bildlich festgehaltenen Familienessen mit seinem Vater Cvetin. Das nächste überlebten der Autohändler (55) und die Stiefmutter nicht. Die Opfer wollten offenbar, dass der Ex-Häftling seine Medikamente wieder nimmt und sich untersuchen lässt.

Geistig abnorm, Abartigkeit höheren Grades, wurde Milan A. attestiert. Vier Jahre lang saß der 36-Jährige wegen gefährlicher Drohung in der Justizanstalt Göllersdorf hinter Gittern. Irgendwann war der gebürtige Serbe "resozialisiert" und durfte zu seiner Familie nach Deutsch-Wagram in Niederösterreich zurück.

Samstagabend, Familienessen im Haus in der Hauptstraße 15 - alles war augenscheinlich normal, als um 22.15 Uhr die Situation plötzlich eskalierte.

Wie berichtet, soll Milan A. zu einem Küchenmesser gegriffen, es zuerst seinem Vater, dann der Stiefmutter (52) und seiner Ehefrau Natasa mehrmals in die Körper gerammt haben. Zwei Menschen sind tot, die Mutter des gemeinsamen zwölfjährigen Sohnes - der nach der Bluttat vom eigenen Vater als Geisel genommen wurde - liegt nach einer Notoperation schwerst verletzt im Wiener AKH.

Mittlerweile wurde seitens der Staatsanwaltschaft Korneuburg ein Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit von Milan A. in Auftrag geben. Das Motiv des mutmaßlichen Doppelmörders, der seit 2014 wieder auf freiem Fuß ist: Djufa und Cvetin A. wollten ihrem Sohn, der offenbar die Psycho-Medikamente selbst abgesetzt hatte, gut zureden und ihn wieder zu einer Untersuchung überreden.

Verdächtiger schweigt
Der Verdächtige (für ihn gilt die Unschuldsvermutung) gibt sich in der Haft noch eher schweigsam. Er dürfte die Bluttat aus Angst vor einer Zwangseinweisung begangen haben. Jurist Manfred Arbacher-Stöger (Kanzlei Rifaat) übernimmt die Verteidigung des 36-Jährigen: "Er streitet nichts ab. Die Medikamenten-Umstellung dürfte nicht geklappt haben."

Sandra Ramsauer, Mark Perry und Christoph Budin, Kronen Zeitung

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Freitag, 14. Mai 2021
Wetter Symbol