Behörde in Kritik

Wirte: Auflagen wie für ein Atomkraftwerk

Tirol
10.02.2017 09:17

"Die Behörde geht von dem Standpunkt aus, dass ein Gastronomiebetrieb ein Atomkraftwerk ist. Und der Betreiber muss das Gegenteil beweisen." So beschreibt Ingo Knapp, Betriebsanlagen-Experte der WK Tirol, den Umgang des Staates mit der Wirtschaft. Daher wird die Kammer ihre Mitglieder nun juristisch unterstützen.

Betriebsanlagengenehmigung! Der Begriff klingt nicht nur sperrig, sondern er ist es auch! Vor allem für jene, die sich damit befassen müssen: die Wirtschaft! Dahinter verbergen sich nämlich Auflagen, die streng eingehalten und regelmäßig überprüft werden müssen. "Das betrifft etwa Fragen des Brandschutzes, der Sicherheit, des Lärmes, der Geruchsbelästigung und vieles mehr", zeigt Josef Hackl, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Tirol, auf. Und er weiß, wovon er spricht: Der Wirt des Goldenen Adlers in der Innsbrucker Altstadt übt seinen Beruf bereits seit Jahrzehnten mit Leidenschaft aus.

Doch genau diese Leidenschaft vergeht so manchem Wirt, wenn er mit der Behörde in Kontakt treten muss. Da wiehert der Amtsschimmel leider all zu oft!

Auflagen und Kontrolle sind oft überbordend

"Bestimmte Auflagen sind ja wichtig und diese müssen auch kontrolliert werden. Doch leider sind Auflagen und Kontrolle oft überbordend. Der Vergleich mit dem eingangs erwähnten AKW stimmt leider", sagt Ingo Knapp. Besonders problematisch wird es, wenn es zu einer Betriebsübergabe kommt. "Da wird der Betrieb von den Beamten dann ganz genau unter die Lupe genommen. Das Wort Schikane will ich hier nicht in den Mund nehmen, aber es wird leider immer schwieriger, einen Betrieb zu übergeben", sagt Josef Hackl. Da gehen Dinge, die in den letzten 100 Jahren immer gegangen sind, plötzlich nicht mehr. Und da wird es dann juristisch problematisch.

Mitglieder erhalten kostenlos einen Anwalt

Das ist der Grund, warum die Fachgruppe Gastronomie in der Wirtschaftskammer Tirol ihren Mitgliedern künftig unter die Arme greifen will. "In den nächsten drei Jahren stehen theoretisch 1500 Betriebsübergaben in der Tiroler Gastronomie an. Einige werden ob der Bürokratie oder wegen fehlender Nachfolger das Handtuch schmeißen. Wer aber Hilfe benötigt, der kann sich ab sofort bei uns melden. Wir stellen dann kostenlos einen Rechtsanwalt zur Verfügung", sagt der Geschäftsführer der Sparte Tourismus, Peter Trost. Er geht davon aus, dass sich in einem ersten Schritt zwischen 30 und 50 Tiroler Gastronomen melden werden. Knapp ist der Ansprechpartner: Mail an ingobert.knapp@wktirol.at

Markus Gassler, Kronen Zeitung

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