Mo, 23. Juli 2018

Haben Angst

31.01.2017 18:11

Türkei: "Putschisten"-Anwälte legen Arbeit nieder

Am Montag hat in der Türkei der bisher größte Strafprozess zum gescheiterten Putschversuch im vergangenen Sommer begonnen. 270 Menschen, darunter auch der islamische Prediger Fethullah Gülen, der sich nach wie vor im US-Exil befindet, müssen sich vor Gericht verantworten. Zahlreiche Angeklagte stehen nun aber ohne Verteidiger da. Aus Angst vor Repressalien weigern sich Dutzende Anwälte, ihre Mandanten weiter zu verteidigen.

Wie aus Kreisen der Anwaltskammer in Izmir, wo der Prozess stattfindet, bekannt wurde, haben die Advokaten Angst um ihre Karrieren. Den Angeklagten, von denen 152 in Untersuchungshaft sitzen, wird ein "Versuch zum Sturz der verfassungsmäßigen Ordnung" und "Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung" vorgeworfen. Im Falle einer Verurteilung droht zwei Mal lebenslange Haft.

Die meisten von ihnen sind Militärs, darunter hochrangige frühere Offiziere wie der ehemalige General für die Ägäis-Region, Memduh Hakbilen. Sie sind beschuldigt, zur verbotenen Gülen-Bewegung zu gehören, die in der Türkei für den Umsturzversuch verantwortlich gemacht wird. Der islamische Prediger bestreitet jede Beteiligung an dem versuchten Staatsstreich.

Ankara kämpft um Auslieferung Gülens
Die türkischen Behörden schickten am Montag weitere Unterlagen in die USA, um ihr Auslieferungsgesuch für Gülen zu untermauern. Wie die Zeitung "Hürriyet" berichtete, enthält der Akt zusätzliche Informationen zu zwei mutmaßlichen Putsch-Beteiligten, die kurz vor dem Umsturzversuch in die USA gereist waren. Sie werden verdächtigt, sich dort mit Gülen getroffen zu haben, um Anweisungen für den Staatsstreich zu erhalten.

In der Türkei wurden nach dem Putschversuch mehr als 43.000 Militärangehörige, Polizisten, Beamte und Justizmitarbeiter unter dem Vorwurf festgenommen, zur Gülen-Bewegung zu gehören. Zwar haben in den vergangenen Wochen mehrere Verfahren begonnen, doch warten die meisten Beschuldigten noch auf ihren Prozess. Bürgerrechtler befürchten, dass bei den Verfahren das Recht der Beschuldigten auf einen fairen Prozess nicht garantiert ist.

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.