Gefährlicher Erreger

Tuberkulose auf dem Vormarsch

Ausland
10.10.2006 07:40
Die Tuberkulose hat in Westeuropa den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreicht. Gleichzeitig trete immer häufiger ein Erregertyp auf, der gegen die einschlägigen Medikamente zunehmend resistent sei, erklärten die WHO und das Rote Kreuz am Dienstag in Genf. Dies sei vor allem in Osteuropa der Fall, von wo aus die Lungeninfektion in Richtung Westen weiter verbreitet werde.

Die Resistenz gegen Tuberkulose-Medikamente ist den Angaben zufolge zurzeit am höchsten in den baltischen Staaten. Aber auch anderswo in Osteuropa sowie in den zentralasiatischen Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion nimmt die Häufigkeit zu. Von den weltweit 20 Staaten mit der höchsten Quote des resistenten Erregertyps liegen 14 in Europa, wie aus einer WHO-Erhebung hervorgeht.

Stündlich 50 neue Infektionen
Das Rote Kreuz beklagte, dass der Tuberkulose in Europa im Gegensatz zu anderen Seuchen wie Aids kaum Aufmerksamkeit geschenkt werde. Deshalb hätten Gesundheitsbehörden eine "Partnerschaft zum Stopp von TB in Europa" ins Leben gerufen. Es gehe darum, mehr Bewusstsein zu schaffen und Vorbeugemaßnahme sowie Therapien zu koordinieren. In Europa sterben jede Stunde acht Menschen an Tuberkulose, so die WHO. Stündlich würden sich 50 Menschen mit der Krankheit anstecken.

Europa auf einer Stufe mit Afrika
In den alten EU-Staaten gebe es jährlich 13 Tuberkulose-Fälle pro 100.000 Einwohner (Österreich: 14), während es in den zehn neuen EU-Staaten doppelt so viele sind. In Rumänien und Bulgarien werden 53 Fälle auf 100.000 Einwohner gezählt, in den früheren Sowjetrepubliken sogar 98. Europa steht in puncto Tuberkulosefälle mittlerweile auf einer Stufe mit Afrika. Weltweit starben nach WHO-Schätzungen im Jahre 2004 insgesamt 1,7 Millionen Menschen an der Tuberkulose.

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