Do, 21. Juni 2018

Prozessauftakt

24.11.2016 17:24

Straner: "Ich war überzeugt, richtig zu handeln"

Er war ein "Macher", jetzt sitzt er als "gebrochener Mann" vor Gericht: So charakterisierte sein Verteidiger den Fohnsdorfer Ex-Bürgermeister Hans Straner. Am Donnerstag begann am Landesgericht Leoben der Strafprozess gegen ihn. Es geht primär um den Bau der Therme, der die Gemeinde finanziell in Turbulenzen brachte.

"Herr Straner hatte eine beherrschende Idee: Das langsame Sterben seiner Gemeinde zu verhindern - und das ist gelungen." Verteidiger Dieter Neger betonte im Eröffnungsplädoyer mehrmals, mit welchem Einsatz sein Mandant für Fohnsdorf kämpfte, etwa für das Einkaufszentrum Arena. Dass Straner sich nicht persönlich bereichert habe, sagte auch Staatsanwalt Walter Plöbst.

"Er wollte das Projekt Therme durchdrücken"
Doch neben Licht gibt es auch Schatten: Straner hielt lange Zeit alle Fäden in der Hand. Er war 17 Jahre lang Bürgermeister - ausgestattet mit einer absoluten Mehrheit im Gemeinderat -, war de facto Amtsleiter, weiters auch Geschäftsführer der Gemeinde-Gesellschaften, darunter jene für die Thermen-Errichtung. Plöbst: "Er hat diese politische Macht eingesetzt, um das Projekt Therme durchzudrücken."

Straner soll wichtige Entscheidungen ohne die notwendigen formalen Voraussetzungen getroffen haben, er habe etwa zwei Darlehen für die Therme ohne Genehmigung der Landesbeamten aufgenommen. Auch Gemeinderatsbeschlüsse seien teils nicht oder zu spät eingeholt worden. Amtsmissbrauch sei das, meint die Staatsanwaltschaft. Im Fall eines Art Leiharbeitervertrags mit seinem Ex-Arbeitgeber ÖBB wird Straner Untreue vorgeworfen.

Urteil könnte nächsten Mittwoch fallen
In der Sache ist Straner geständig, sieht sich dennoch nicht schuldig: Er habe seine Befugnisse nicht bewusst missbraucht und niemanden wissentlich geschädigt. "Ich war überzeugt, dass mein Handeln richtig war und nie gedacht, dass es falsch sein könnte", sagte Straner zu Richterin Barbara Grundbichler. Er verwies auch darauf, dass er stets die Rückendeckung der damaligen Landesregierung hatte.

Mehrmals brach Straner vor Gericht in Tränen aus, etwa als es um ein Schuss-Attentat auf ihn im Jahr 2003 ging. Am Freitag werden die ersten Zeugen einvernommen. Ein Urteil könnte es am nächsten Mittwoch geben.

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