Sa, 21. Juli 2018

"Haaaaatschi!"

21.10.2016 17:00

Warum müssen wir eigentlich niesen?

Der Mensch niest. Wenn er erkältet oder allergiegeplagt ist, wenn er Pfeffer, Insekten oder Staub in die Nase bekommt. Manche niesen sogar, wenn die Sonne scheint, sie heiße Suppe essen, sich die Haare bürsten, Augenbrauen oder Nasenhaare zupfen oder ein spezielles Parfüm riechen.

Niesen ist eine natürliche Reaktion - ein Reflex, der entsteht, wenn unsere Nasenschleimhaut gereizt wird. Durchs Niesen werden die störenden Stoffe aus Nase und Bronchien entfernt. Ein guter Selbstschutz gegen schädliche Substanzen.

In diesem Sinne ist das Niesen auch der lautstarke Versuch unserer Nase, Viren und Bakterien loszuwerden. Diese "Mini-Explosion" im Riechorgan erfolgt mit bis zu 165 km/h, ist oft unangenehm und manchmal sogar peinlich. Aber das allzu heftige Ausatmen dient eben einem guten Zweck!

Beim Niesen fliegen die Tröpfchen drei Meter weit
Wissenschaftler gehen davon aus, dass im verlängerten Rückenmark ein "Nieszentrum" sitzt, in dem Signale aus der Nasenschleimhaut verarbeitet werden. Für diese These spricht auch die Tatsache, dass der Niesreflex aussetzt, wenn bestimmte Teile des Gehirns geschädigt sind.

Dennoch ist der Niesvorgang sehr komplex und noch nicht vollständig erforscht. Einig ist man sich bis dato lediglich darin, dass jedes Niesen ähnlich verläuft: Erst kribbelt die Nase, dann wird tief Luft geholt, das Gaumensegel hebt sich an und verschließt dabei die Verbindung zwischen Nase und Rachen (Tube). Dadurch wird das Luftvolumen in Lunge und Rachen komprimiert. Gleichzeitig spannen sich Bauch- und Brustmuskulatur an und zu guter Letzt entweicht der erhöhte Druck explosionsartig durch die Nase - und im Idealfall mit ihm der Übeltäter, der den Reiz ausgelöst hat. Mit einem einzigen "Hatschi!" pusten wir Atemluft aus und schleudern winzige Tröpfchen - ohne vorgehaltener Hand - fast drei Meter weit!

Dafür, dass Niesen eigentlich ein Schutzreflex ist, ranken sich erstaunlich viele Schauergeschichten um diese ganz normale Selbstreinigungsfunktion: So stoppen angeblich während des Niesens alle Körperfunktionen. Auch das Gerücht, dass die Augen aus den Höhlen fallen und dem Gehirn grobe Schäden zugefügt würden, wenn man beim Niesen die Augen schließt und sich die Nase zuhält, hält sich hartnäckig.

Alles Blödsinn! Lediglich vom Unterdrücken des Niesvorgangs raten Ärzte tatsächlich ab, da in seltenen Fällen das Mittelohr oder Trommelfell wegen des Drucks Schaden erleiden kann. Wer Schnupfen hat, läuft außerdem Gefahr, durch unterdrücktes Niesen Krankheitserreger in die Nasennebenhöhlen zu pressen.

"Gesundheit!"
Niesen wird in unseren Breiten weitgehend toleriert. In vielen Ländern gilt es jedoch als Unart. Bei uns hingegen wünschen wir einander höflich "Gesundheit!", meinen damit gleichzeitig auch unsere eigene und hoffen insgeheim, nicht angesteckt zu werden. Wogegen man angeblich in Albanien mitunter boshaft "Plaq!" sagt. Gemeint ist: "Du sollst platzen!"

In Ostasien wiederum ist der Glaube verbreitet, dass zum Zeitpunkt des Niesens jemand freundlicherweise an den Niesenden denkt - vergleichbar mit Schluckauf. Und in Lateinamerika ergeht bei wiederholtem Niesen eine Kaskade von guten Wünschen auf den Niesenden nieder: Beim ersten Nieser sagt man "Salud!" (Gesundheit), beim zweiten "Dinero!" (Geld) und beim dritten "Amor!" (Liebe).

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