So, 22. Juli 2018

Tinetz beruhigt

30.09.2016 15:37

Blackout in Europa lähmt Tirol nur 5 Stunden

Ein Raum mit drei Dutzend Bildschirmen, eine riesige Grafik mit Blinklichtern an der Wand - so sieht die Schaltzentrale des Tiroler Stromnetzes (scherzhaft "Wattikan" genannt) aus. Beim "Krone"-Besuch wurde klar, dass Tirol im schlimmsten Fall eines europaweiten Blackouts eine "Insel der Seligen" sein dürfte.

In dem unscheinbaren Industriegebäude im Raum Innsbruck ist das Herz von 11.600 Kilometer Leitungen, 45 Umspannwerken und rund 4000 Umspannstationen in Tirol. Hier wird im Schichtdienst (vier Mitarbeiter tagsüber, zwei nachts) entschieden, wie Störungen umgangen oder behoben werden können.

"99,99 Prozent des Jahres sind unsere Kunden versorgt, damit gehören wir zum österreichischen und europäischen Spitzenfeld", betonen die Tinetz-Geschäftsführer Thomas Trattler und Thomas Rieder. Und dies, obwohl das bergige Tirol mit seinen vielen Tälern (die sozusagen Strom-Sackgassen mit nur einer Leitung sind) besondere Herausforderungen stellt. 260 Mitarbeiter stehen parat, bei Störungen rund um die Uhr auszurücken. Der Großteil der Ausfälle kann binnen einer Stunde behoben werden.

Terror, Hacker und die Folgen der Energiewende

Der Extremfall ist ein europaweiter Strom-Blackout - in Zeiten von Terror oder Hacker-Angriffen nicht ganz undenkbar. Auch die Energiewende birgt Gefahren, weil - vereinfacht gesagt - große Schwankungen in Erzeugung und Verbrauch schwieriger als früher ausgeglichen werden können. "Viele alte Kraftwerke, die für Stabilität sorgten, wurden nämlich abgeschaltet", gibt Tinetz-Prokurist Klaus Schüller zu bedenken.

Szenario für Europa: Strom sieben Tage weg

Experten gehen davon aus, dass es sieben Tage (!) dauern könnte, bis in Europa nach einem totalen Blackout wieder überall die Lichter angehen. "Das hält unsere Gesellschaft nicht aus. Wir würden dann unsere großen Tiwag-Kraftwerke wieder sukzessive in Betrieb nehmen. Zumindest der Zentralraum wäre in fünf Stunden wieder versorgt", wagen die Tinetz-Chefs eine Prognose. Nachsatz: Im Osten von Österreich könnte es viel düsterer aussehen.

Heuer rund 90 Millionen Euro für das Stromnetz

Im laufenden Jahr werden rund 90 Millionen Euro in das Stromnetz investiert. Der größte Brocken der kommenden Jahre ist eine neue 110-kV-Leitung von Kramsach nach Kirchbichl.

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