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27.08.2016 13:03

"Gewaltbereitschaft bei Häftlingen höher denn je"

Rund 500 Gefangene sind derzeit in der Justizanstalt Innsbruck inhaftiert. Ein Prozent davon wird als "äußerst gefährlich" eingestuft. Die Justizwache wird in diesen Fällen bei Ausfahrten, wie etwa in die Uniklinik oder an das Gericht, stets von der Spezialeinheit Cobra unterstützt. Eine Kooperation, die unabdingbar ist.

"Fast täglich zwischen 7 und 15 Uhr müssen wir mit Gefangenen die Anstalt, aus welchen Gründen auch immer, verlassen. Von einem erhöhten Risiko ist dabei immer auszugehen", erklärt der stellvertretende Leiter der Justizanstalt, Raimund Höss, im "Krone"-Gespräch und ergänzt: "Um den Schutz der Bevölkerung garantieren zu können, greifen wir zwischendurch auch auf die Cobra-Beamten zurück." Dabei sind die Aufgabenbereiche genauestens aufgeteilt. "Wir sind ausschließlich für den Gefangenen zuständig, die Cobra-Beamten müssen hingegen die äußeren Gefahren unter Kontrolle haben", erklärt Höss.

"Bis hin zur Geiselnahme kann alles vorkommen"

Passieren kann auf derartigen Fahrten so einiges und daher ist ein perfektes Zusammenspiel dieser beiden Exekutivkörper absolut notwendig. "Ein Schwerverbrecher kann zum Beispiel völlig durchdrehen oder sogar versuchen, sich auf einmal freizupressen und eine Geiselnahme anzetteln", verdeutlicht der Vize-Leiter. Obwohl bisher noch keine derartigen "Befreiungsversuche" vorgekommen sind, sind sie vor allem in der heutigen Zeit nicht auszuschließen. "Es ist auffällig, dass die Hemmschwelle der Inhaftierten in Bezug auf die Gewaltbereitschaft enorm gesunken ist. Und zwar vor allem, seit wir Ausländer in Haft haben. Derzeit stammen 56 Prozent der Inhaftierten aus dem Ausland - und zwar exklusive jener Ausländer, die bereits immigriert sind", teilt Höss mit.

"Bedienstete werden täglich angegriffen"

Das bekommen in erster Linie die Justizwachebeamten zu spüren - und zwar nahezu täglich. "Früher war ein Beamter für die Gefangenen tabu. Doch nun wird er mit Faustschlägen und heftigen Tritten angegriffen. Die physische und psychische Belastung der Bediensteten befindet sich mittlerweile an der Grenze", gibt Höss zu. Jener Teil der Justizwache, der für die Schwerverbrecher zuständig ist, erhält eine spezielle Ausbildung. Sie beinhaltet eigene Kurse im Schießen sowie auf dem Gebiet der Nahkampf- und der Grifftechniken. Zudem verfügen diese Bediensteten über eine eigene Ausrüstung. Dennoch sind sie vor Schäden jeglicher Art nicht gefeit. "Vor allem im Abteilungsdienst haben wir vermehrt Krankenstände. Das alles geht schon an die Nieren", ist der Vize-Chef offen.

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